Slowakei: Heimspiel im Frankenland

Freitag, 27.April 2001 - 15:51

Das Land des amtierenden Vize-Weltmeisters verbindet seit jeher ein besonders inniges Verhältnis zu seinem WM-Spielort Nürnberg: Die slowakische Eishockey-Legende Peter Ihnacak führte die Franken als Trainer zum Gewinn der Vizemeisterschaft 1999, dem bis dato größten Erfolg in der Klubgeschichte. Ihnacaks Landsleute Ivan Droppa und Jozef Cierny waren damals Leistungsträgern auf dem Eis. Der Slowake Otto Sykora steht noch heute als Manager in Diensten der Ice Tigers. Für das WM-Turnier haben sich nun mehrere Hundertschaften Schlachtenbummler zur Unterstützung ihrer Mannschaft in der Frankenmetropole angesagt, wo die Slowakei alle drei Vorrundenspiele austrägt. Nachdem sie im Vorjahr den Einzug ins WM-Finale im fernen Sankt Petersburg nur am TV-Schirm miterleben konnten, wollen die Fans wenigstens diesmal live dabei sein. Erst im Endspiel wurde vor Jahresfrist der Siegeszug der Slowaken gestoppt - und das ausgerechnet vom großen Bruder Tschechien. Obwohl die Mannschaft von Trainer Jan Filc das Match bestimmte, stand am Ende eine 3:5-Niederlage auf der Anzeigetafel. Bis vor acht Jahren spielten die beiden Finalisten noch Schulter an Schulter in einer Mannschaft, gewannen bei Weltmeisterschaften sechs Gold-, zwölf Silber- und 15 Bronzemedaillen. Nach der politischen Trennung im Dezember 1992 bekam Tschechien den Startplatz der aufgelösten Tschechoslowakei in der A-Gruppe übertragen, die Slowakei mussten hingegen ganz unten anfangen: In der C-Gruppe mit Gegnern wie Ungarn, Bulgarien und Südkorea. Bis zum Aufstieg in die A-Gruppe dauerte es zwar nicht lange (Debüt 1996 in Wien), über Mittelmaß kam man jedoch nicht hinaus. Zehnter, Neunter, zweimal Siebter lauteten die Platzierungen, ehe im vergangenen Jahr in Sankt Petersburg der große Wurf gelang. Mit NHL-Profi Miroslav Satan von den Buffalo Sabres, dem Kopf und Anführer des Teams, stellten die Slowaken zugleich den Top-Skorer und herausragenden Feldspieler des Turniers. Ob Satan diesmal wieder ins Trikot seines Heimatlandes schlüpfen kann, hängt ganz von den Play-offs in der NHL ab: Die Sabres treffen in Runde eins auf die Philadelphia Flyers. Im Falle eines Weiterkommens würde Filc einen Platz im Team für seinen eventuellen nachkommenden Stürmerstar offenhalten. Neben Satan soll rund ein Dutzend NHL-Legionäre "Team Slovakia" verstärken: Von den Nashville Predators kommen Defender Richard Lintner und Stürmer Marian Cisar, von den Montreal Canadiens Richard Zednik, von den Phoenix Coyotes Ladislav Nagy (alle Stürmer). Bei den New York Islanders steht Verteidiger Zdenko Chara, mit einer Körpergröße von 2,02 Metern längster Spieler der WM, unter Vertrag. Bei den Minnesota Wild ist sein Abwehr-Kollege Lubomir Sekeras tätig, der erst im vergangenen Jahr, als 32-Jähriger (!), von einem NHL-Klub gedraftet wurde. Leistungsträger aus der heimischen Liga sind Goalie Pavol Rybar und Stürmerstar Zdeno Ciger (beide Slovan Bratislava). Aus der DEL bestens bekannt ist Verteidiger Ivan Droppa (Düsseldorfer EG). Keine Berücksichtigung im WM-Team fand der junge Jan Plch, der HKM Zvolen als Topskorer zum Gewinn der Landesmeisterschaft führte. Slowakei 13.848 aktive Spieler, 42 Eishallen Die WM-Platzierungen der letzten zehn Jahre: 1991: A-WM 6. (als CSFR) 1992: A-WM 3. (als CSFR) 1993: - 1994: C-WM 1. (Aufstieg) 1995: B-WM 1. (Aufstieg) 1996: A-WM 10. 1997: A-WM 9. 1998: A-WM 7. 1999: A-WM 7. 2000: A-WM 2.

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