Nationalteam: Österreich auch im 71. Jahr mit WM Niederlage gegen Deutschland

Samstag, 01.Mai 2004 - 22:52

Das Team Austria hat auch im zweiten Spiel der Zwischenrunde bei der WM in Tschechien keinen Erfolg feiern können. Die Österreicher unterlagen gegen Erzrivalen Deutschland im erwartet engen und spannenden Spiel mit 1:3. Damit hat Deutschland im Kampf ums Viertelfinale einen wichtigen Schritt gemacht, Österreich hat noch im letzten Spiel gegen Lettland eine theoretische Chance.



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Österreich gegen Deutschland - wie in jeder Sportart schwingen auch im Eishockey beim Nachbarschaftsduell die Emotionen mit. Beim Duell der Zwischenrunde der WM in Tschechien umso mehr, da es für beide um die Viertelfinalteilnahme ging. Für Österreich sollte der erste Sieg seit 70 Jahren in einem WM Turnier gegen Deutschland erfolgen. Dafür meldete sich auch Kapitän Dieter Kalt wieder fit, nachdem er am Vortag gegen Tschechien noch geschont worden war.

Bereits vor dem Spiel erwartete Teamchef Pöck eine Nervenschlacht, in der das erste Tor entscheiden könnte. Die vorausgesagte Defensive war schliesslich auch zu Beginn der Partie Trumpf. Alles erwartete ein knappes Spiel und daher war Risiko verboten. In der Anfangsphase spielte sich der Grossteil des Geschehens daher in der neutralen Zone ab, die erste Chance hatten die Deutschen nach 69 Sekunden, doch Goalie Divis war nach dem versuchten Bauerntrick auf seinem Posten.

Die Österreicher schienen gegenüber der Vorrunde zurückhaltender, spielten im ersten Drittel auch ungenauer als in den letzten Tagen, hatten offensichtlich doch Nervenflattern vor dem Möglichen. Zur Hälfte des ersten Spieldrittels übernahmen die Deutschen immer mehr das Kommando und setzten Divis immer wieder durch schnelle Gegenstösse unter Druck. In der 17. Minute hatten die Österreicher dann erst einmal grosses Glück, als Torhüter Divis einen Schuss zwischen die Beine hindurch entlang der Torlinie ablenkte. Die Scheibe trudelte wieder aus dem Torraum und somit blieb es beim 0:0.

Nach 16:55 Minuten war es dann aber so weit: Jan Benda fasste sich ein Herz, liess NHL Verteidiger Thomas Pöck aussteigen und schloss sein sehenswertes Solo ebenso schön mit einem Schuss ins lange Eck ab. Divis war geschlagen und es stand 1:0 für Deutschland - genau das, was man im Lager der Österreicher verhindern wollte.

Bei dieser knappen Führung für Deutschland blieb es und die Österreicher hatten für die Pause einiges zu überlegen. Nun musste man noch offensiver werden und war damit der Gefahr der schnellen Konter durch die Deutschen ausgesetzt. Noch war aber genug Zeit, um diesen knappen Rückstand aufzuholen.

Doch auch im Mittelabschnitt änderte sich an den Spielverhältnissen wenig. Die Deutschen blieben physisch stark und stoppten die Österreicher meist bereits an der blauen Linie. So kam das Team Austria vorwiegend durch Weitschüsse zu Chancen, herausgespielte Möglichkeiten blieben Mangelware. Den ersten Schuss des Drittels feuerte Unterluggauer ab, doch die besseren Möglichkeiten hatte das Team von Trainer Hans Zach. Die Deutschen waren in der 24. Minute knapp vor dem zweiten Treffer, als Divis zwei Mal unmittelbar vor sich Deutsche Stürmer auftauchen sah. Noch blieb es aber beim 0:1.

Dann jedoch hatten die Österreicher die Möglichkeit, über Power Plays zurück zu ihrem Spiel zu finden. Doch selbst 45 Sekunden bei 5 gegen 3 bleiben ungenützt und obwohl man Druck erzeugte, Tor wollte keines gelingen.

In der 29. Minute umgekehrte Vorzeichen: Deutschland hatte zwei Mann mehr am Eis und sorgte für viel Gefahr vor Divis. Mehrfach konnte sich der Goalie auszeichnen und es blieb beim 0:1.

Nachdem die Österreicher diese Unterzahlsituationen überstanden hatten, schienen sie endlich das Momentum zu ergreifen. In der 32. Minute scheiterte Kalt mit einem abgefälschten Querpass, dann jedoch ein folgenschwerer Fehler. Die Österreicher waren im Angriff, als Unterluggauer an der Blauen Linie die Scheibe verlor und die Deutschen im Konter auf Divis zuliefen. Unterluggauer hatte seinen Fehler fast schon wieder gut gemacht, doch die Scheibe kam über Lewandowski und Boos trotzdem zur Mitte, wo Philippe Lakos den Puck nicht wegbefördern konnte und Kreuzer sich mit dem 2:0 bedankte.

Der Schock beim Team Austria sass tief. Die Deutschen hatten nun gute Szenen, kamen immer besser ins Spiel und schalteten sogar etwas von ihrem Defensivsystem weg. Erst in der 38. Minute war Österreich wieder da. Die beste Chance bislang hatte Thomas Koch, der aus halbrechter Position einfach hart schoss, die Scheibe wurde mehrfach abgefälscht und trotzdem war Deutschlands Schlussmann Kölzig noch dran. Er hatte aber Glück, denn der Puck kullerte am Tor vorbei raus aus der Gefahrenzone.

In der Schlussphase des Drittels waren es dann noch Trattnig und Kalt, die am sicheren NHL Schlussmann der Deutschen scheiterten. Es ging mit dem 0:2 ins letzte Drittel. Die Deutschen hatten alle Vorteile klar auf ihrer Seite. Sie konnten auch in den letzten 20 Minuten ihre Defensivtaktik durchziehen und die schnellen Konter zum Erfolg suchen. Für die Österreicher war eines klar: die Durchschlagskraft im Offensivzentrum musste erhöht werden, wollte man gegen Deutschland noch punkten.

Im letzten Abschnitt sah man dann jenes Team Austria, das man sich von Beginn an erhofft hatte. Endlich machte man Druck, ging in die Zweikämpfe und brachte die Scheibe auch gefährlich vor das Tor. Die Deutschen standen praktisch 20 Minuten unter Dauerdruck, kamen aber selbst durch Konter immer wieder gefährlich vor das Tor der Österreicher.

Nach einem ersten Warnschuss von Lewandowski übernahmen die Österreicher klar das Kommando und immer wieder war es Goalie Olaf Kölzig, der für die Angriffsversuche des Team Austria Endstation war. Pöck. Lakos, Setzinger - es war fast schon zum verzweifeln, welche Chancen die Österreicher brauchten.

In der 52. Minute konnten dann die rot-weiss-roten Cracks endlich freuen: nach schöner Vorarbeit von Setzinger verlängerte Thomas Koch direkt und bezwang Kölzig zjm 1:2. Nun war die Aufholjagd gestartet und selbst in Unterzahl waren es die Österreicher, die Druck erzeugten. Kalt zwei Mal, Robert Lukas und Pöck im schnellen Break konnten den Ausgleich aber nicht erzielen.

Als die Österreicher in der letzten Minute Torhüter Divis vom Eis nahmen, um doch noch in einer Überzahlsituation den Ausgleich zu schaffen, war es Stefan Ustorf, der mit einem Empty Netter den Treffer zum 3:1 und damit den Endstand erzielte.

Fazit:
Spät, zu spät wurde Österreich im Spiel gegen Deutschland wach. Zu lange benötigten die Österreicher, um sich auf das Defensivspiel des Team Germany einzustellen und die massive Abwehr der gut stehenden Nachbarn zu knacken. Erst im letzten Drittel erzeugte das Team von Herbert Pöck jenen Druck, der die Deutschen auch zum Wanken brachte. Zuvor waren viel Leerlauf und Verlegenheitsschüsse aus der zweiten Reihe das Rezept gewesen.

Die Deutschen waren von Alpenvulkan Hans Zach wieder gut eingestellt und zeigten genau gegen Österreich ihre bislang beste Turnierleistung. Wieder einmal scheinen sich die Deutschen als Turniermannschaft zu präsentieren, feierten gegen Österreicher ihren 2. Turniersieg. Das 3:1 war gleichzeitig der 20. Länderspielerfolg der Deutschen gegen Österreich bei einer WM. Auch im 71. Jahr blieb damit Österreich ohne WM Erfolg über die Deutschen. Der letzte WM Sieg datiert aus dem Jahr 1934!

Dennoch war es abermals eine gute Leistung der Österreicher, die sich nach dem 0:2 alles andere als geschlagen gaben und zurückfighteten. Anders als in den letzten Jahren konnte das Team um Goalie Divis den Nachteil abschütteln und versuchte bis zum Schluss alles, um doch noch den Ausgleich zu schaffen. Letzten Endes waren es aber die ersten beiden Drittel, die den Punkt gekostet hatten.

Insgesamt hatte Österreich zwar die quantitativ grössere Anzahl an Chancen, qualitativ waren die Deutschen aber gefährlicher vor Reinhard Divis aufgetaucht. Immer wieder musste der Backup der St. Louis Blues in höchster Not retten. Auch sein Gegenüber Olaf Kölzig, Goalie der Washington Capitals, zeigte eine souveräne Torhüterleistung und war oftmals die letzte, dafür aber unüberwindbare Hürde für die Österreichischen Angriffsbemühungen.

Nun kommt dem letzten Spiel der Österreicher in der Zwischenrunde am Montag eine gleich doppelt wichtige Bedeutung zu. Einerseits geht es für das Team Austria um die letzte Chance, doch noch ins Viertelfinale zu kommen, andererseits um eine Verbesserung in der Weltrangliste. Kann man die Letten hinter sich lassen, könnte man auch in der Weltrangliste wieder wichtige Punkte gegen den 10. der Rangliste gut machen, was wichtig für die Olympia Qualifikation für Turin 2006 wäre.

Die Österreicher haben nun am Sonntag spielfrei und können Kräfte sammeln, um gegen Lettland am Montag mit voller Kraft noch einmal alles zu geben. Noch lebt die Chance - jetzt kann das Team erneut zeigen, dass es trotz aller Jugend reif genug ist, um in der Weltelite mitzuhalten.

So sieht es auch Andre Lakos: "Die ersten beiden Drittel verliefen nicht so positiv. Im dritten Drittel kamen wir, aber wir haben zu spät aufgedreht. Ich möchte jetzt keine Ausreden finden. Es ist sehr ärgerlich, wieder gegen Deutschland zu verlieren, aber wir haben noch reelle Chancen auf das Viertelfinale."

Österreich - Deutschland 1:3 (0:1, 0:1, 1:1)
Tore:
16:55 0:1 BENDA Jan (KREUTZER Daniel)
32:22 0:2 KREUTZER Daniel (BOOS Tino)
51:42 1:2 KOCH Thomas (SETZINGER Oliver)
59:32 1:3 USTORF Stefan (REICHEL Martin) - EN
Schüsse: 33:30
Strafminuten: 10:10

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Quelle: