Hockeyfans.at Exklusiv Interview mit Thomas Pöck

Dienstag, 06.April 2004 - 18:25

Er ist zweifelsohne der Aufsteiger des Jahres, Thomas Pöck. Der Österreicher machte als bester Verteidiger des US-College Hockeys nicht wenige NHL-Teams auf sich aufmerksam. Nach der Bewertung der Angebote wechselte Pöck zu den New York Rangers und verzeichnete dort mit 4 Scorerpunkten in 6 Spielen einen mehr als hoffnungsvollen Einstand. Nachdem die NHL-Saison für die Rangers am letzten Samstag zu Ende gegangen ist, stand der Klagenfurter den Fragen von Hockeyfans.at Rede und Antwort.




Thomas, du warst bis zu deinem 18. Lebensjahr beim KAC, was waren deine Gründe für den Wechsel ins Ausland, genauer gesagt nach Massachusetts?



Mit 17 durfte ich zwar schon mit der Kampfmannschaft des KAC mittrainieren ich kam in diesem Jahr insgesamt in der 4.Linie aber nur zu 3 Einsätzen. In meinem Maturajahr war ich dann bereits ein fixer Bestandteil im Erstliga-Team, wobei ich hier entweder als rechter Flügel oder als Mittelstürmer agierte. Nachdem ich in Österreich meine Erfahrungen gesammelt und mich durchgesetzt hatte wollte ich unbedingt meine Chance im Ausland suchen. Es gab einige Auswahlmöglichkeiten, so hatte ich die Optionen nach Schweden, nach Kanada in die Ontario Hockey League (Major Junior League) oder in die USA ins College zu gehen. Meine Entscheidung fiel auf die USA denn der im Moment bei den Massachusetts Minutemen als Assistent-Coach unter Vertrag stehende Ex-KAC-Trainer Bill Gilligan - ein sehr guter Bekannter meines Vaters - machte mir das verlockende Angebot nach Amherst zu kommen, und da ich in der OHL sowieso nur mehr für ein Jahr spielberechtigt gewesen wäre wählte ich das US-College, denn dort hatte ich schließlich die Möglichkeit mich über 4 Jahre weiterentwickeln zu können.





Welchen Stellenwert genießt das Hockey auf der University of Massachusetts?


In den vergangenen Jahren war eindeutig Basketball die populärste Sportart am Campus. Aufgrund der beiden letzten sehr guten Eishockey-Saisonen hat sich jetzt das Eishockey zur beliebtesten Sportart hochgearbeitet. So war diese Saison die mit einem Fassungsvermögen von 8360 Zuschauern größte Halle der Hockey East Conference, das Mullins Center, zum ersten Mal bei einem Hockey-Spiel ausverkauft.





2001 wurdest du vom NHL-Scouting Bureau für den Draft an Position 170 gereiht, schlussendlich aber von keinem NHL-Team gedraftet. Eine schwere Enttäuschung für dich?


Nein, denn aufgrund der von mir gezeigten Leistungen konnte ich nicht erwarten genommen zu werden, es lief nicht wirklich nach Wunsch für mich bzw. die Minutemen. Das Team befand sich gerade im Neuaufbau, Coach Cahoon, welcher im gleichen Jahr wie ich nach Amherst gekommen war musste die Mannschaft erst neu Formen, was sich natürlich nicht von heute auf morgen realisieren lässt. Nach den ersten beiden eher enttäuschenden Jahren im College war ich daher überzeugt nach Ablauf der 4 Jahre wieder nach Europa zurückgehen zu müssen um dort mein Glück zu versuchen.





Doch daraus wurde nichts. Der gelernte Angreifer Pöck wurde zu einem Verteidiger umgewandelt und startete voll durch!


Wir hatten zu wenige Verteidiger im Team und der Coach bat mich daher meine Position zu wechseln und stellte mich fortan auf der Verteidigerposition auf. Schon nach kurzer Zeit fand ich mich mit der neuen Aufgabe sehr gut zurecht und es stellte sich heraus, dass sich das auch auf mein Punktekonto mehr als positiv auswirken sollte.





In der gerade abgelaufenen College-Saison warst du der mit Abstand beste Verteidiger der gesamten Liga und aufgrund deiner großartigen Leistungen auch unter den Top-10 Kandidaten für den Hobey Baker Award vertreten wobei du den Sprung unter die Top-3 leider nicht geschafft hast. Wie lautet dein persönliches Resümee?


Mit den letzten beiden Saisonen, insbesondere mit meinem Senior-Jahr kann ich natürlich hoch zufrieden sein. Mit meinen 41 Punkten konnte ich mich ins Blickfeld der Öffentlichkeit spielen, vorallem über die AHL unter die besten 10 College-Spieler freue ich mich besonders, ich finde das ist bei 58 Teams schon eine große Ehre und Auszeichnung. Nach der Niederlage im Hockey East-Finale und der damit verpassten Gelegenheit sich für die NCAA-Playoffs zu qualifizieren war mir aber sofort klar, dass ich den Sprung unter die letzten 3 wohl nicht mehr schaffen kann. Aber wie ich jetzt sagen kann war das Ausscheiden im College kein wirklicher Rückschlag für mich. Laut Trainer Cahoon stehen auch meine Chancen auf die AHL in das All-American-Team sehr gut (Anmerkung: Hierbei wird von den College-Trainern die beste Linie der Saison gewählt). Alles in allem also eine perfekte Saison für mich.





Apropos Ausscheiden. Die unglückliche Overtime-Niederlage gegen Maine nach 109 Minuten wirst du wohl nicht so schnell vergessen?


Ja, das stimmt. Es war meine erste Erfahrung mit dem im College üblichen Overtime-System. Hier wird gespielt bis das entscheidende Tor fällt, ohne irgendeine zeitliche Begrenzung. Ich hatte in der 1.Overtime die große Chance auf den Siegtreffer doch der ausgezeichnet haltende Maine-Goalie beraubte mich dieser. Mit Fortdauer des Spiels wurden vom Coach nur mehr die ersten 3 Verteidiger aufs Eis geschickt, ich kam glaub ich daher insgesamt auf eine Spielzeit von ca. 60 Minuten. Das war schon Schlimm, ich hatte starke Krämpfe und die Beine wurden von Minute zu Minute schwerer und schwerer. Als in der 3.Overtime Maine den entscheidenden Treffer erzielen konnte waren wir anfangs natürlich sehr enttäuscht, doch hatten wir unser selbst gestecktes Saisonziel, das Hockey East-Finale, erreicht und konnten daher mit dem Erreichten zufrieden sein. Ausserdem sind wir, das ist meine Meinung, gegen den kommenden College-Meister ausgeschieden.





Keine 3 Tage später war der Minutemen Pöck ein NY Ranger. Laut Medienberichten hatten 10-12 NHL-Teams Interesse an einer Verpflichtung, warum fiel deine AHL auf die Rangers?


Interesse zeigten mehrere Teams doch konkrete Angebote bekam ich "nur" von 4 Clubs, den Anaheim Migthy Ducks, den Montreal Canadiens, den Toronto Maple Leafs und eben den NY Rangers. Die Verträge waren alle gleich gut aber nur die Rangers gaben mir die Möglichkeit noch heuer in der NHL zu spielen. Alle anderen Teams wollten mich erst nächste Saison einsetzten, daher viel mir die Entscheidung zugunsten der Rangers nicht schwer. Wie sich herausstellen sollte war es der richtige Weg.





Dir gelang bereits im ersten Spiel das erste Tor und mit 4 Punkten in 6 Partien ein NHL-Einstand nach Maß. Was waren deine ersten Eindrücke?


Wenn man von einem für Amerikanische Verhältnisse mit 30000 Einwohnern kleinen Dorf wie Amherst in eine Weltmetropole wie New York kommt, dann ist das schon ein Erlebnis. Die NY Rangers sind nicht nur in den USA eine absolute Kultmannschaft und der Madison Square Garden gilt als das Mekka des Eishockeys, viel besser konnte es für mich nicht kommen. Das mir natürlich gleich in der Partie gegen Pittsburgh mein erstes NHL-Tor gelang setzt ohne Frage dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf. Eine Bilanz von 2 Tore und 2 Assists in 6 Spielen kann sich auf jeden Fall sehen lassen, doch muss ich mich um in der NHL längerfristig Fuß fassen zu können, noch in einigen Punkten verbessern.





Wie wurdest du in dem mit Stars gepickten Rangers-Team aufgenommen? Gab es Feedback vom Trainer?


Ich wurde vom Team - wie in den USA üblich - super aufgenommen und sofort integriert. Ich muss gestehen, dass ich von Stars wie Jagr, Messier oder Holik schwer beeindruckt bin. Jaromir Jagr hat mir sogar, damit wir uns bei der WM in Prag einmal treffen können, seine Telefonnummer gegeben. Coach Renney war so glaube ich im Großen und Ganzen mit meiner Leistung zufrieden, er gab mir viele wichtige und hilfreiche Tipps. Aber natürlich kann ich nicht schon nach so kurzer Zeit ein fertiger NHL-Verteidiger sein.





Was sind deine Ziele für die nächste Saison?


Als Erstes werde ich mich im Sommer im Trainingscamp der Rangers für die NHL empfehlen müssen. Hier werden in etwa 40-50 Spieler um einen Stammplatz im NHL-Team kämpfen. Stars wie zum Beispiel Jaromir Jagr sind da zwar auch mit von der Partie, diese müssen sich aber logischerweise nicht mehr beweisen, das gilt schon eher für die Spieler der 3. und 4. Linie. Wenn ich mir den Kader der Rangers so ansehe dürfte für mich ein Platz unter den 8 NHL-Verteidigern ein realistisches Ziel sein. Sollte es - wie es im Moment ausschaut - einen Lockout geben, werde ich im Farmteam der Rangers, den Hartford Wolf Pack, in der AHL zum Einsatz kommen. Aber ich hoffe das der Lockout nicht zu lange dauern wird denn mein Wunschziel Nummer 1 ist die NHL.





Das College war also für dich eine ideale Grundlage für die NHL? Wie würdest du die NCAA im Vergleich zu Österreich einschätzen?


Ja, auf jeden Fall. Das US College-Hockey ist eine sehr gute Basis für eine etwaige spätere Profikarriere, für mich war der Wechsel zu den Minutemen ohne Zweifel die richtige Entscheidung. Ein Vergleich der Ligen ist für meine Person nicht so einfach da ich die meiste Zeit in den USA bin und daher von unserem Hockey nicht sehr viel mitbekomme, aber Ex-College-Leute wie Szücs, Norris oder Salfi sind bei uns in der Ersten Liga herausragende Spieler. Weiters bringt das College fast jedes NHL-Stars heraus, als Beispiel können hier Dany Heatley, Brett Hull, Paul Kariya oder Brian Leetch genannt werden.





Wie würdest du dich selbst einschätzen, was sind deine Stärken wo siehst du bei dir noch Verbesserungspotential?


Meine Stärken liegen eindeutig in der Offensive, genauer gesagt im Spielaufbau nach vorne und im Powerplay. Raum für Verbesserungen gibt es immer, für mich wird es aber vorallem wichtig sein im kommenden Sommer körperlich noch stärker zu werden. In der NHL sind die Spieler größer, schneller und stärker, um als Verteidiger Konkurrenzfähig zu sein bedarf es daher einer entsprechenden körperlichen Verfassung.





Stehst du in Kontakt zu anderen Auslandsösterreichern bzw. nach Österreich?


Eigentlich zu allen. Regelmäßig telefoniere ich mit Brandner und Divis. Auch werde ich mit Brandner, Kalt und Trattnig in diesen Sommer in Klagenfurt, wie letztes Jahr, wieder eine Trainingsgemeinschaft bilden. Zu Vanek und Brückler habe ich eher selten Kontakt. Natürlich stehe ich auch in ständiger Verbindung mit meinen Eltern, so war zum Beispiel in den letzten Tagen mein Vater bei mir auf Besuch.





Kannst du jungen Österreichern einen Wechsel ins Ausland empfehlen?


Aus meiner Warte ja! Es kommt aber darauf an unter welchen Voraussetzungen dieser geschieht. Wenn ein Jugendlicher noch nie in einer Kampfmannschaft gespielt hat und sich folglich noch nicht durchsetzten konnte bzw. sich in der jeweiligen Liga nicht unter den Besten befindet würde ich ihm davon abraten. Anders schaut es natürlich aus wenn man mit 16 bis 18 Jahren bereits einen Fixplatz in der Ersten Mannschaft innehat oder in seiner Altersklasse, zum Beispiel in der Jugendliga für Furore sorgt. In diesem Fall ist ein Wechsel ins Ausland zu empfehlen, da er für die Entwicklung des jeweiligen Spielers von großem Vorteil sein kann. Prinzipiell ist es eine sehr wichtige Erfahrung die Trainingsmethoden und die Spielweise anderer Eishockeyländer kennen zu lernen um daraus für sich dann seine Lehren ziehen zu können.





Wie siehst du die Zukunft des Österreichischen Eishockeys?


Positiv. Wichtige wäre es für die nächste Saison eine interessante Erste Liga mit 8 Mannschaften zusammen zu bekommen und das die Vereine in Zukunft den richtigen Weg gehen bzw. einschlagen, das heisst, nach Schweizer Vorbild vermehrt den jungen Österreichern eine Chance geben und die Liga nicht mit einer Viel AHL von - durchschnittlichen - Legionären überschüttet wird. Eine erfolgreiche Liga sollte auch mehr Einnahmen und endlich auch mehr Medianpräsenz mit sich bringen. Natürlich sind unsere Kapazitäten nicht mit jenen der großen Eishockeynationen vergleichbar, so beseht alleine im US-Bundesstaat Massachusetts eine Altersklasse aus 2000-3000 aktiven Eishockeyspielern, doch sollten wir genug Potential haben um für die Zukunft gut gerüstet zu sein.





Anfangs wurde von den Rangers bekannt gegeben, dass du nach der NHL im Farmteam die AHL-Playoffs spielen wirst und daher für die WM in Prag nicht zur Verfügung stehst, jetzt bist du aber doch dabei. Was hat sich verändert?


Der entscheidende Faktor ist die am 9.3. angesetzte AHL Trade-Deadline. Es gab hier seitens der Rangers einige Unklarheiten wegen meines Einsatzes aber jetzt steht fest das ich nicht einsatzberechtigt bin, denn Spieler die bis zum Zeitpunkt der Trade-Deadline noch nie in der AHL gespielt haben sind für die Playoffs nicht spielberechtigt. Daher hat sich dieses Thema für mich erledigt und ich freue mich schon jetzt darauf für Österreich bei der WM spielen zu können.





Wann stoßt du zum Teamkader und welche Zielsetzung ist deiner Meinung für Österreich in Prag realistisch?


Ich komme am 12.4. nach Frankfurt und werde von dort aus direkt ins Teamtrainingslager einrücken. Mein erstes Vorbereitungsspiel wird wohl die Partie am 15.4. gegen Deutschland sein. Unser Ziel für Prag muss eindeutig ein Platz unter den letzen 8, also das Viertelfinale sein, was wiederum die automatische Qualifikation für Olympia 2006 bedeuten würde. Auch in Hinblick auf die nächstjährige Heim-WM ist ein gutes Abschneiden von immenser Wichtigkeit. Rangers-Coach Renney trainiert ja mit dem Kanadischen WM-Team einen unserer Gruppengegner, er hat mir erklärt das er sich schon auf das Aufeinandertreffen mit Österreich freut und für mich extra ein paar seiner "Tuff-Guys" abstellen wird! Spaß bei Seite, ich hoffe wir können uns gut verkaufen!





Thomas, Hockeyfans.at wünscht Dir für die kommende WM und insbesondere deine NHL-Zukunft alles Gute und bedankt sich sehr herzlich für das Interview.





Bitte! Ich schaue immer wieder gerne auf Hockeyfans.at vorbei um mir über das Österreichische Eishockey und die anderen im Ausland tätigen Österreich ein Bild machen zu können. Macht weiter so!





Das Interview für Hockeyfans.at führte Christian Flotzinger. (c.flotzinger@hockeyfans.at)
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