Die HF.at Play Off Vorschau: Red Bull Salzburg – KAC

Dienstag, 23.Februar 2016 - 7:53
29.11.2015, Stadthalle, Klagenfurt, AUT, EBEL, EC KAC vs EC Red Bull Salzburg, 26. Runde, im Bild Matthias Tranig (Red Bull Salzburg #51), Jean-François Jacques (EC KAC, #39) // during the Erste Bank Eishockey League 26th round match match betweeen EC KAC and EC Red Bull Salzburg at the City Hall in Klagenfurt, Austria on 2015/11/29. EXPA Pictures © 2015, PhotoCredit: EXPA/ Gert Steinthaler EXPA/ Mag. Gert Steinthaler

Als großer Meisterschaftsfavorit galt Salzburg vor der Saison, daran hat sich auch nach 54 Runden in der regulären Saison nichts geändert. Der Titelverteidiger hat sich wie im Vorjahr für das Viertelfinale für einen Kärntner Gegner entschieden – kann Rekordmeister KAC den Red Bull Express stoppen? Red Bull Salzburg (1) – KAC (8) Saisonbilanz: 4:0 Siege, 12:0 Punkte, 22:8 Tore Rein von der Papierform her war es keine Überraschung, dass Meister Salzburg beim Play Off Pick dann doch den KAC wählte. Die Red Bulls hatten in der ersten Meisterschaftsphase mit den Klagenfurtern so ganz und gar keine Mühe und gewannen alle vier Duelle, ließen dabei nur 8 Gegentore zu. Und die Mozartstädter gelten als Verein, der gerade in den Play Offs sehr häufig „Mut“ aufbringt, gleich zu Beginn die schweren Brocken wählt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind aber auch die Red Bulls eine andere Mannschaft. Seit Wochen wird darüber in unserem Eishockeyforum diskutiert, man macht eine vermeintliche Schwäche beim Titelverteidiger aus. Dabei darf aber nicht übersehen werden: auch in der Saison 2015/16 gab es bislang nur 18 Niederlagen für Salzburg, wobei vor allem die Zwischenrunde zu einem Wechselbad der Gefühle wurde. 5 Siege und 5 Niederlagen setzte es für den Meister, der zuletzt vor einem Monat zwei Spiele in Folge gewinnen konnte. Dass man dabei mit 40 Toren die meisten Treffer der Pick Round zu bejubeln hatte, war nur ein schwaches Trostpflaster. Viel mehr schmerzten die 35 Gegentore und die Erkenntnis, dass man einen Schwachpunkt im Tor hat. Daher wurde erst vorige Woche noch einmal nachjustiert, um dem jungen Slowenen Luka Gracnar den Rücken zu stärken. Letzte Saison waren die Salzburger dominant, beherrschten die Liga nach Belieben und verloren in den Play Offs am Weg zum Meistertitel nur eine einzige Partie. Das bekam auch der KAC zu spüren, der im Halbfinale mit 4:0 aus dem Bewerb gesweept wurde. Ob es jetzt die Salzburger sind, die um einen Tick weniger gut sind als letzte Saison, oder ob die Konkurrenz einen Schritt aufgeholt hat ist letzten Endes egal. Vor allem was die Offensive betrifft ist man allerdings nicht mehr ganz so tief besetzt, wie letzte Saison. Übersprangen voriges Jahr noch 12 Spieler die 10 Tore-Marke in den ersten 54 Spielen, waren es dieses Mal „nur“ deren 9. Herausragend dabei Brett Sterling mit 33 Treffern, ebenso beeindruckend die 49 bzw. 41 Assists von John Hughes bzw. Ryan Duncan. Es sind Kleinigkeiten, an denen sich die Konkurrenz aufrichten kann und Hoffnung schöpft, dass man Salzburg heuer eventuell doch biegen kann. Keine andere Mannschaft in der EBEL kann derart viel Druck aufbauen, wie die Red Bulls. Wenn diese Offensive einmal ins Laufen gekommen ist, wird man große Kraft aufbringen müssen, um sie zu stoppen. Wenn die Mozartstädter anfällig sind, dann in der Defensive. Die Torhüter sind wie bereits erwähnt ein kleiner Schwachpunkt, weshalb man in der ersten Meisterschafsphase auch nur die fünftbeste Abwehr der Liga stellte. Trotzdem leisteten sich die Mannen von Ratushny kaum echte Schwächephasen, die längere Zeit andauerten. Man startete mit drei Niederlagen in die Saison, hatte Mitte November einen kleinen Durchhänger, hat aber seither nie mehr als zwei Spiele in Folge verloren. Wenn sich das fortsetzt wird es schwer werden, diese Mannschaft zu stoppen. Das weiß man auch in Klagenfurt, wo man zwar mit den Ansprüchen in die Saison gestartet ist, den Meister zu fordern, dann aber schnell auf den Boden zurückgeholt wurde. Rekordmeister KAC war über weite Strecken der Saison weit entfernt von einer Klassemannschaft, obwohl man einen hochkarätigen und sehr teuren Kader zur Verfügung hatte. In der ersten Meisterschaftsphase gab es bei 22 Siegen ebenso viele Niederlagen und damit nur Rang 8 für die Kärntner. Eine schwere Enttäuschung, die wieder einmal früh zu einem Trainerwechsel führte, der aber kaum Wirkung zeigte. Man spricht von teaminternen Problemen, Grüppchenbildung und dem mangelnden Einsatzwillen so mancher Stars. Das führte zu einer unglaublich unkonstanten Leistung über die ganze Saison. Glanzpartien wurden nur wenige Stunden später mit totalen Abstürzen wieder aus dem Gedächtnis gefegt. Gepunktet haben die Klagenfurter vor allem gegen die Teams der unteren Tabellenhälfte, was sich dann auch in der Zwischenrunde bezahlt machte. Die Lindwurmstädter 7 ihrer 10 Partien in der Qualifikationsrunde und schafften den Sprung ins Viertelfinale schließlich doch noch souverän. In den letzten 10 Runden haben sich auch die vermeintlichen Top Spieler wieder etwas Selbstvertrauen geholt und ihre Punktekonten aufgebessert. Der KAC hat im Duell mit Meister Salzburg die große Chance, die schwache reguläre Saison vergessen zu lassen. Jetzt können die Rotjacken beweisen, dass sie sich zurecht „Eishockeyhauptstadt“ nennen, denn in letzter Zeit war das eher Salzburg und nicht der Klagenfurt. Auch die Kärntner haben eine offensichtliche Schwäche im Tor, die man die gesamte Saison über nicht ablegen konnte. Kein KAC Schlussmann ist in der Goaliewertung unter den Top 13, nur Rene Swette schafft es gerade noch über eine Fangquote von 90%. Auch in der Zwischenrunde zeigte sich dieses Problem, denn die Klagenfurter kassierten mit 32 Treffern die meisten Gegentore der Qualifikationsrunde. Das liegt nicht nur an den Torleuten, sondern auch an der Defensivabteilung, die zu wenig Stabilität ausstrahlt und sich oftmals überrumpeln lässt. Die Stürmer arbeiten darüber hinaus zu wenig nach hinten und lassen ihre Hintermannschaft zu oft alleine. Gerade dieses gemeinsam an einem Strang ziehen und zuerst hinten dicht machen wird aber gegen Salzburg einer der Schlüssel zum Erfolg sein. Gegen den Meister wird man sich nicht durchsetzen, weil man ihn offensiv überflügelt, sondern man hat nur eine Chance, wenn man die Mozartstädter vor dem Tor entschärft. Das wird gegen die schnellen, technisch starken und teilweise auch physisch starken Bullen schwer genug werden. Die Klagenfurter hätten mit ihren Stars wie Jamie Lundmark, Oliver Setzinger, Thomas Koch oder auch dem heuer sehr treffsicheren Manuel Geier und dem harten Arbeiter Manuel Ganahl durchaus die Spieler, um hier einen Unterschied zu machen. Insgesamt scheint Salzburg aber trotzdem tiefer besetzt zu sein und vor allem als Mannschaft kompakter aufzutreten und das bessere Teamgefüge zu haben. Keine Frage: Salzburg geht als Favorit in dieses Duell. Der Druck wird auf den KAC steigen, sobald es nicht so laufen sollte, wie sich das Fans und Medien in Kärnten wünschen würden. Auch was das Coaching betrifft sind die Vorteile klar auf Seiten der Mozartstädter, die mit Dan Ratushny einen erfahrenen Mann auf der Bank haben, der bewiesen hat, dass er dieses Team führen kann. Das kann man von Alexander Mellitzer nicht behaupten, noch dazu steht schon jetzt fest, dass man nächste Saison einen neuen Mann holen wird und Mellitzer wieder in den Nachwuchs rücken wird. Aber Play Offs schreiben bekanntlich eigene Gesetze und für den KAC wird es darauf ankommen, die Serie möglichst lange offen zu halten oder mit anfänglichen Siegen womöglich den Druck auf Salzburg so zu erhöhen, dass auch der Titelverteidiger Fehler macht. Spielerisch wird der Rekordmeister wohl nicht gewinnen können, die Rotjacken müssen vor allem kämpferisch agieren und mit Einsatz, fairem und aggressivem Körperspiel inklusive starker Defensive versuchen, sich in diese Serie zu beißen. Ob dieser KAC den Charakter dazu hat, wird sich weisen. Der Weg wäre also vorgezeichnet, der KAC muss sich auf schwere Spiele mit sehr viel Druck aufs eigene Tor gefasst machen. Trotz aller Möglichkeiten und der miserablen Saisonbilanz der Kärntner gegen die Red Bulls wäre es trotz der Leistungen der letzten Wochen eine echte Überraschung, würden die Salzburger in Runde 1 stolpern. Die Kärntner werden sich von einem Spiel zum nächsten konzentrieren müssen und sich mit jedem Teilerfolg zusätzlich motivieren. Dennoch ist zu erwarten, dass je länger diese Serie dauert, der dichter und tiefer besetzte Kader der Red Bulls doch einen Vorteil bedeutet, den die Klagenfurter nicht wettmachen können. Hockeyfans.at Prognose: Salzburg in 5 bis 6 Spielen Die Termine des Duells: Fr, 26.02.2016 (19:15): Red Bull Salzburg (1) – KAC (8) So, 28.02.2016 (17:30): KAC – Red Bull Salzburg Di, 01.03.2016 (19:15): Red Bull Salzburg – KAC Fr, 04.03.2016 (19:15): KAC – Red Bull Salzburg *So, 06.03.2016 (17:30): Red Bull Salzburg – KAC *Di, 08.03.2016 (19:15): KAC – Red Bull Salzburg *Fr, 11.03.2016 (19:15): Red Bull Salzburg – KAC

Quelle: red/KF