Kaderbewertung: Die Haie müssen bissiger werden

Freitag, 05.September 2014 - 16:01
photo_462888_20131230.jpg EXPA Reinhard Eisenbauer

Zwei Saisonen spielt der HC Innsbruck nun wieder in der Erste Bank Eishockey Liga, am Status des ewigen Letzten hat sich aber nichts geändert. Jetzt soll mit neuem Trainer, neuen Spielern und einer neuen Philosophie einiges anders werden. Ob das aber reicht, um auch an die Play Offs anzuklopfen beleuchtet die HF.at Kaderbewertung. 22 Siege – was der HC Bozen als Liganeuling letzte Saison am 1. Jänner schaffte ist eine Zahl, die der HC Innsbruck bislang als Negativwert ansieht. Die Tirolern sind nun seit zwei Jahren in der EBEL zurück und brachten es dabei auf diese 22 Siege. 108 Spiele benötigten sie dafür und kassierten dabei auch noch so viele Gegentore wie keine andere Mannschaft in der Liga. Kein Wunder, dass mal zwei Mal in Serie Tabellenletzter wurde und daher reagieren musste. Die Konsequenzen lagen auf der Hand: Trainer Naud musste gehen, ebenso viele Legionäre. Einzig bei den Österreichern blieb man eine härtere Vorgehensweise schuldig, was bei den Betrachtungen der einzelnen Kaderteile noch einmal zum Thema werden wird. Rein sportlich kann es für den HCI eigentlich nur besser werden, die Ausgangslage ist somit nicht so druckvoll, wie bei anderen EBEL Teams. Dennoch hat Neo-Coach Christer Olsson, der vom KAC gekommen ist, mit Sicherheit andere Ziele, als endlich die rote Laterne abzugeben. ###Die Ausgangslage Im Jahr 2014 haben die Innsbrucker Haie 16 Bewerbsspiele absolviert – und nur 2 davon gewonnen. Die Saison 2013/14 beendeten die Tiroler mit nicht weniger als 7 Niederlagen en Suite, in der Zwischenrunde der Erste Bank Eishockey Liga kassierte man nicht weniger als 42 Gegentore in 10 Partien und erzielte gleichzeitig nur 19 Treffer. Nur zwei Mal in der letzten Saison gelang es den Haien, zwei Spiele in Folge zu gewinnen. Insgesamt waren es nur 12 magere Erfolge, die nach einer langen Saison die Fans in Innsbruck ein weiteres Mal viele Nerven gekostet hat. Statistische Fakten 13/14: Power Play: 18,54% (8.) Penalty Killing 74,21% (12.) Fairplay 9,59 Min/Sp (1.) Shorthander 2 (12.) Scoring Effizienz 8,33% (11.) Goalkeeping 89,48% (12.) Tore geschossen: 106 (11.)* Tore erhalten: 181 (12.)* *zwecks Vergleichbarkeit nur aus dem Grunddurchgang Was soll man zu einer derartigen Ausbeute sagen? Der HC Innsbruck hat es unter Danny Naud nie verstanden, ein echtes Team zu werden. Man kassierte die meisten Gegentore, war das zweitschlechteste Team bei den erzielten Treffern und lag in fast allen wichtigen Teamstatistiken außerhalb der Top 10. Nur die Fairplay Wertung konnten die Haie gewinnen – kein Ruhmesblatt, denn das lässt darauf schließen, dass man sich nicht einmal gewehrt hat. Aber das ist alles Vergangenheit, denn mit Christer Olsson ist ein neuer Chef hinter der Bande. Neue Trainingsmethoden, neues System, neue Anforderungen, jeder Spieler muss sich seine Stellung im Team neu erarbeiten. In der Kabine des HCI prangt in großen Lettern „Herz, Charakter, Intensität“. Das sind die Tugenden, die man in den Vordergund stellen möchte. Waren es in der Vergangenheit oft nur einzelne Spieler oder im besten Fall eine Linie, die bei den Innsbruckern funktionierte, soll es jetzt eine echte Mannschaft sein, die am Eis auftritt. Nicht der Einzelne, sondern das Team stehen im Vordergrund. Dafür hatte der Schwede Christer Olsson auch die Möglichkeit, sich die neuen Spieler selbst auszusuchen, was auch für ihn Neuland war. Bei den Neuverpflichtungen wurde darauf geschaut, dass man sich mit EBEL erfahrenen, aber gleichzeitig auch mannschaftsdienlichen Spielern verstärkt. Der HC Innsbruck weiß ob seiner Außenseitersituation und wird mit schwedischem System auch deutlich defensiver auftreten als der teilweise aufgeschreckte Hühnerhaufen der letzten Jahre. Sturkurierter und mit mehr Plan will man sich präsentieren, was auch den Österreichern im Team helfen wird. Apropos Inländer: hier hätte man sich ein wenig mehr Veränderungen gewünscht, denn dem HC Innsbruck fehlt es auch heuer wieder an Kadertiefe. Das liegt am sicherlich wünschenswerten „Tiroler Weg“, der allerdings in einer immer mehr von Legionären dominierten EBEL keinen durchschlagenden Erfolg haben wird. Insgesamt stehen da zu viele Mitläufer im Team, die sich nicht mehr weiter entwickeln. Mit den Play Offs werden die Haie auch heuer eher weniger zu tun haben. Dieser Schritt ist zu groß, die Konkurrenz unter den Top 8 zu weit voraus um die Kluft zu überspringen. Das erste Ziel wird sein, das neue System zu erlernen und umzusetzen. Danach wird der HC Innsbruck versuchen, sich in allen Belangen zu verbessern und aus einer verstärkten Defensive heraus den ein oder anderen Großen auch schon mal zu ärgern. Zu recht viel mehr wird es nicht reichen. Aber zumindest der Kampf gegen diesen ewigen letzten Platz ist nicht von Beginn weg verloren. Hier scheint man gute Karten zu haben, wenn man es endlich einmal schafft, diese langen Niederlagenserien hinter sich zu lassen und konstanter zu punkten. HF.at Prognose: Platz 9 bis 12 ###Kaderbewertung HC Innsbruck – Torhüter und Abwehr: Torhüter: Abgänge: - Zugänge: - Gibt es eigentlich einen undankbareren Job, als Torhüter in Innsbruck? Dieser Gedanke liegt nahe, wenn man die eingangs erwähnten Statistiken der letzten Saison im Hinterkopf hat. Doch ganz so ist es auch nicht, denn mit 2.119 Torschüssen, welche die Goalies der Haie fangen sollten, ist man nicht das Team, das hier zu wenig konsequent arbeitet. Das legt nahe, dass das Duo Adam Munro und Patrick Machreich noch Luft nach oben hat. Was grundsätzlich auch stimmt, wobei dies vor allem für die Position des Backups gilt. Mit nur 88,05% gefangenen Schüssen blieb Patrick Machreich ganz klar hinter der Nummer 1 der Tiroler zurück und war damit eine Achillesferse. Adam Munro hingegen zeigte für den Schlussmann eines Tabellenletzten mit einer Quote von 91,05% duchaus Qualitäten, auf denen man aufbauen kann. Das wird man auch müssen, denn die Innsbrucker setzen weiterhin auf ihre Goalies des letzten Jahres. Munro hat noch Leistungsluft nach oben, vor allem wenn die Verteidigung vor ihm besser und konzentrierter arbeitet. Dann kann sich seine Leistung sogar noch verbessern. Patrick Machreich wird erneut um Eiszeit kämpfen müssen, ob er allerdings eine Entlastung sein kann wird sich zeigen. Ebenfalls bleibt abzuwarten, ob Christer Olsson an der bisher gar nicht so wenigen Eiszeit Machreichs festhalten wird, oder Adam Munro mehr forciert. Im Vergleich zum Vorjahr kann man mit einer besseren Defensive erwarten, dass auch die Statistiken im Goalkeeping nach oben gehen. Mit Adam Munro hat man einen konkurrenzfähigen Schlussmann, mehr als einen solchen Spitzenmann haben auch andere, weiter vorne klassierten, Teams nicht im Kader. Bewertung: 3,0 von 5 Punkten Abwehr: Abgänge: Marek Malik, David Lindner, Craig Switzer, Shane Sims. Zugänge: Nick Ross, Johan Björk, Dustin VanBallegooie. Die Abwehr bzw. das Defensivverhalten allgemein ist eine der ganz großen Baustellen beim HC Innsbruck. Kein anderes Team lässt so viele Gegentore und das auch noch auf so einfache Art und Weise zu. Dass sich das nun gleich um 100 Prozent verändern wird kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Dafür war der Umbau im Abwehrbereich zu zahnlos. Marek Malik, Craig Switzer und Shane Sims haben die Tiroler verlassen, für sie kamen Nick Ross und Dustin VaBallegooie, die beide innerhalb der Liga wechselten. Johan Björk ist ein Schwede, der zumindest die Philosophie des Coaches verstehen wird und mit seinen 30 Jahren viel Routine mitbringt. Auch er spielte schon kurz in der EBEL, betritt also kein Neuland. Ein VanBallegooie wird dem Defensivsystem eher weniger bringen, der Ex-Grazer ist eher für seinen Schuss bekannt, war allerdings zuletzt schon sehr fehleranfällig. Das Leben bei einem Underdogs kennt Nick Ross schon zu Genüge. Er war zuletzt in Ljubljana aktiv und brachte es dort zu respektablen Statisikwerten. In einer Mannschaft, in der kein einziger Crack letzte Saison eine positive PlusMinus aufweisen konnte, wird er mit seinen körperlichen Attributen vor dem eigenen Tor aufräumen müssen. Zu diesen Legionären mischen sich altbekannte Gesichter wie ein Florian Stern, Stefan Pittl, Florian Pedevilla und auch Christian Hörtnagl. Sie alle treten seit Jahren auf der Stelle und werden sich steigern müssen. Vielleicht hilft ihnen ja das nun deutlich erkennbare System des Trainers weiter. Meistens wird diese Abwehr allerdings mit Defensivaktivitäten beschäftigt sein, nach vorne Akzente setzen dürfte nur eine Nebenbeschäftigung in der kommenden Saison werden. Es hätte wohl noch des ein oder anderen defensiv erfahrenen und starken Spielers bedurft, um einen Schritt nach vorne zu machen. Bewertung: 2,5 von 5 Punkten ###Kaderbewertung HC Innsbruck – Angriff und Trainer: Angriff: Abgänge: Luke Salazar, Tyler Donati, Justin Donati, Christoph Echtler, Lukas Jurik. Zugänge: Marcus Olsson, Andreas Valdix, Matt Siddall, Kris Beech. Trotz der vorhandenen „Zauberqualitäten“ der Donatis (die allerdings oft genug einfach nur untertauchten) waren die Innsbrucker vergangene Saison auch in der Torausbeute zu schwach. Ein neuer Trainer musste daher hier ansetzen, denn wenn man schon nach vorne wenig zusammenbringt, dann sollten die Stürmer zumindest nach hinten arbeiten. Genau diese Charaktereigenschaften hat Christer Olsson gesucht und mit seinen Neuzugängen auch gefunden. Marcus Olsson hatte sich schon bei den Vienna Capitals den Ruf eines braven Arbeiters erkämpft, Kris Beech ist ein ebenso harter Arbeiter – vor dem eigenen, wie auch vor dem gegnerischen Gehäuse. Matt Siddall kennt die Liga von seinem Gastspiel in Zagreb und hat die physischen Stärken (93 kg bei 185 cm Körpergröße) in den letzten beiden Jahren in Italien eingesetzt. Der Stürmer kann durchaus scoren, aber eben auch den Körper einsetzen. Ein sehr interessanter Mann ist Andreas Valdix, der noch nie außerhalb Schwedens gespielt hat und als Defensivstürmer in der zweiten schwedischen Liga eine feste Größe war. Auch er ist kräftig gebaut und passt daher in das neue Konzept mit der verstärkten Defensive. Die große Frage, die sich stellt ist allerdings „wer soll die Tore schießen?“. Da hat man zwar einen Jeff Ulmer, über den mit Sicherheit ein Großteil der Angriffe gehen wird, aber danach fehlt diese Durschlagskraft auch schon wieder. Patrick Mössmer und Alexander Höller sind bei den Österreichern im Team noch die erfahrensten, aber man darf sich schon fragen, ob diese zwei in anderen Mannschaften überhaupt noch spielen würden. Beide sind (wie der Rest der Haie auch) in ihren PlusMinus Werten weit jenseits der positiven Zahlen – und das schon seit dem EBEL Einstieg. Aber sie haben mit dem weiterhin verfolgten Tiroler Weg eine Vorbildfunktion. Es wird auch auf sie ankommen, ob es beim HCI aufwärts geht, denn nur wenn die Österreicher im Team einen Schritt vorwärts machen, ist dies auch tatsächlich möglich. Der Sturm wirkt heuer kompakter, ist deutlich defensiver ausgerichtet und wird daher die Abwehr besser unterstützen. Das sollte zu weniger Gegentoren führen, im Spiel nach vorne dürften sich aber auch keine großen Verbesserungen ergeben. Bewertung: 2,5 von 5 Punkten Trainer: Abgang: Daniel Naud Zugang: Christer Olsson Zumindest eines kann man beim HC Innsbruck erleichtert feststellen: es gibt endlich einen Trainer bei den Tirolern, der ein System verfolgt. Anders als in den Vorjahren wurde die Konzentration muss bei der Kaderzusammenstellung darauf gelegt, dass man charakterlich gefestigte Cracks holt. Die ganze Mannschaft muss nun ein neues System lernen, dessen Hauptpunkt die Defensive ist. Typisch schwedisch eben, jeder muss wissen, wo er zu stehen hat und was seine Aufgabe ist. Natürlich hat Christer Olsson nicht die Qualität des Spielermaterials zur Verfügung, die er beim KAC hatte. Aber er hat auch wenig zu verlieren. Die Haie sind schon am unteren Ende der Tabelle angekommen und können fast nur noch gewinnen. Dass Olsson ein fähiger Mann ist, steht außer Frage. In Klagenfurt scheiterte er weniger an seinem System, als am „System KAC“. In Innsbruck ist der Druck und auch die Aufmerksamkeit deutlich geringer. Wenn man ihm etwas Zeit gibt und nicht nur den kurzfristigen Erfolg sucht, dann kann das durchaus Früchte tragen. Diesem Team tut mehr Struktur, mehr System gut. Auch wenn es noch nicht die Qualitäten hat, um die Play Offs mitzuspielen werden die Innsbrucker versuchen, die Gegner zumindest verstärkt zu ärgern. Egal, wie groß die Namen sind. Bewertung:3,5 von 5 Punkten Gesamtwertung: 9,5 von 20 Punkten ###Die Zwischenwertung in der HF.at Kaderbewertung: 1. Vienna Capitals 17,0 Punkte 2. Black Wings Linz 15,5 Punkte 3. KAC 13,0 Punkte 3. VSV 13,0 Punkte 5. Dornbirn 12,0 Punkte 6. Fehervar AV10 10,5 Punkte 7. HC Innsbruck 9,5 Punkte 8. Olimpija Ljubljana 8,5 Punkte

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