Kaderbewertung: Die Capitals wollen endlich den Titel

Dienstag, 02.September 2014 - 8:15
photo_424372_20130920.jpg EXPA Thomas Haumer

Seit dem Jahr 2005 müssen die Vienna Capitals nun schon auf den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte warten – und das trotz vieler hochkarätiger Trainer, jeder Menge Spieler und noch mehr Erwartungen. Auch im Sommer 2014 hat sich in Wien sehr viel getan und verändert. Ob das zum Guten war und dazu führt, dass die Hauptstädter nach der Meisterschaft greifen, beleuchtet die Hockeyfans.at Kaderbewertung. Rein statistisch gesehen war die vergangene Saison für die Vienna Capitals eine enttäuschende. Erst zum zweiten Mal seit dem Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2005 erreichten die Wiener nicht das Halbfinale und mussten sich als Gewinner des Grunddurchgangs schon frühzeitig die Segel streichen. „Endstation VSV“ hieß es nach fünf ernüchternden Spielen und es war der Auftakt zu einem Umbruch, der fast jeden Kaderteil erfasste. In der Champions Hockey League haben die Vienna Capitals schon einmal ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben, allerdings sind die CHL und die EBEL zwei paar Schuhe. Was international klappt, muss in der heimischen Liga nicht unbedingt zwangsmäßig auch Erfolg bringen. Noch dazu wird die CHL Kräfte kosten, vor allem wenn man so gut mitspielt wie die Wiener und dadurch auch noch Chancen auf den Aufstieg hat. Es wird sich zeigen, inwieweit sich diese Strapazen oder daraus vielleicht sogar entstehende Verletzungen dann auch auf die Leistungen in der Liga auswirken werden. ###Die Ausgangslage Platz 1 nach dem Grunddurchgang, die beste Defensive der Liga, die zweitbeste Offensivabteilung der EBEL – und dann ging den Vienna Capitals die Luft aus. Schon in der Zwischenrunde hatte es sich angekündigt (nur 4 Siege aus 10 Spielen), in den Play Offs wurde es dann offensichtlich. Das unterkühlte schwedische System von Trainer Tommy Samuelsson zündete auch in heurigen Frühjahr nicht und letzten Endes hatten die Wiener dem Feuer und Willen des VSV in einer Best of Seven Serie viel zu wenig entgegen zu setzen, als dass man auch nur einen Gedanken an den Aufstieg vergeuden konnte. Es war ein enttäuschender Schlusstrich unter eine Saison, die so gut sein hätte können. Statistische Fakten 13/14: Power Play: 20,22% (5.) Penalty Killing 84,32% (1.) Fairplay 14,54 Min/Sp (10.) Shorthander 3 (9.) Scoring Effizienz 9,31% (5.) Goalkeeping 91,00% (4.) Tore geschossen: 160 (2.)* Tore erhalten: 103 (1.)* *zwecks Vergleichbarkeit nur aus dem Grunddurchgang Im Grunddurchgang waren die Vienna Capitals letztes Jahr das beste Team. Keine andere Mannschaft stand defensiv so gut wie die Hauptstädter, auch offensiv konnte man mit den besten Teams in diesem Bereich mithalten. Einzig die Geschichte mit den Strafen bekam man eine ganze Saison nicht so recht unter Kontrolle, ansonsten war man in allen Teamwertungen unter den Top 5 der Liga. Aber Statistiken gewinnen keine Partien – und schon gar keine Play Off Serien. Das Problem der Wiener war, dass sie in den entscheidenden Phasen der Meisterschaft nicht mehr zusetzen konnten. Darüber hinaus forcierten die Hauptstädter zu sehr ihre Top-Linien, was sich letzten Endes gegen den auch nicht besonders tief besetzten VSV rächen sollte. Das frühe und unerwartete Viertelfinalaus bedeutete schließlich, dass man auch bei den Vienna Capitals mit einem Umbau begann. Der erste Schritt dabei war die Verpflichtung eines neuen Trainers und ganz im Stil eines der finanzkräftigsten Teams der Liga holten die Hauptstädter Meistertrainer Tom Pokel aus Bozen. Mit ihm kam auch eine völlig neue Philosophie nach Kagran. Weg von der schwedischen Mentalität, hin zum Teamgedanken eines Tom Pokel. Bei der Kaderzusammenstellung war man darauf bedacht, die Mannschaft so homogen wie nur möglich zu bauen. Man wollte keine Stars im Team, weshalb sich wohl auch Gerüchte um eine Rückkehr von Oliver Setzinger bislang nicht bewahrheitet haben. Und auch alteingesessene Leader müssen sich mit neuen Rollen und veränderten Stellungen innerhalb des Teams abfinden. Ein typischer Pokel Schachzug. Das Team ist der Star. 9 Neue muss der Nordamerikaner einbauen, der Großteil davon wurde so ausgewählt, dass sie in die Struktur der Mannschaft passen und charakterlich sattelfest sind. Mit dieser Art und Weise der Zusammenstellung hatte Pokel schon in Bozen durchschlagenden Erfolg. Ein Blick auf die letzte Siason der Capitals zeigt, dass nicht wirklich viel fehlte zum großen Wurf. Es waren die letzten Monate, die entscheidend waren und genau das wird auch Tom Pokel so analysieren. Wie in Bozen wird man von ihm kein „Halli Galli Eishockey“ sehen, sondern nüchternes, defensiv orientiertes Hockey, in dem allerdings mehr Freiheiten gegeben werden als unter Tommy Samuelsson mit seinem analytischen Schwedenhockey. Es gibt sie auch heuer, die Fragezeichen in der Mannschaft. Derzeit hat man noch zu viele Punkte im Kader, weshalb noch mindestens ein Spieler gehen muss. Diese Entscheidung werden die Capitals aber mit Sicherheit so lange wie möglich hinauszögern. Auch auf Grund der CHL wird man jede zusätzliche Manpower brauchen können. Diese kommt heuer endlich wieder in Form bislang unbekannter Spieler nach Wien. Scoutete und verpflichtete man letzte Saison noch hauptsächlich in der EBEL bekannte Namen, hat man dieses Mal durchaus auch Mut bewiesen und, typisch Tom Pokel, „No-Names“ aus der Tasche gezogen. Der Kader wirkt ausgeglichener besetzt als noch letztes Jahr, der Charakter und die Stimmung scheinen bereits jetzt zu stimmen. Keine Frage, die Vienna Capitals gehen als einer von zwei Top-Favoriten in die Spielzeit 2014/15. Alles andere als ein Top 3 Platz nach dem Grunddurchgang wäre eine Überraschung und wenn es Tom Pokel schafft, jene Tugenden zu forcieren, die ihm schon in Bozen wichtig waren, dann könnte es nach 2005 sogar für den ganz großen Wurf reichen. HF.at Prognose: Platz 1 bis 3 ###Kaderbewertung Vienna Capital – Torhüter und Abwehr: Torhüter: Abgänge: Jürgen Penker, Johann Bauer. Zugänge: Phillip Zopf. In der letzten Saison war man sich was die Torhüter betrifft vor der wirklich heißen Phase der Meisterschaft unsicher und holte mit Jürgen Penker noch eine Verstärkung. Diese ist für 2014/15 wieder weg und auf Jobsuche, während man bei den Vienna Capitals weiterhin auf das Goalieduo Matt Zaba/David Kickert setzt. Vor allem von der designierten Nummer 1, Matt Zaba darf man sich deutlich mehr erwarten als letzte Saison. Der 31-Jährige wurde trotz noch laufendem Vertrag heftig aus Bozen umworben und hat in seinem letzten Vertragsjahr einiges an Motivation, an frühere Leistungen anzuknüpfen. Das konnte er in den Play Offs nämlich nicht, blieb weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und war damit einer jener Schwachpunkte, die letzten Endes mitentscheidend für das frühe Aus waren. Dabei hatte er 2012/13 noch zu den besten Torhütern der Liga gezählt! In seinem dritten Wien-Jahr wird er sich deutlich steigern müssen, will er sich weiterhin für diesen Standort empfehlen. Dass er es kann, hat Zaba auch bei den Capitals schon gezeigt und in Normalform ist er sicher ein Anwärter auf den besten Goalie der Liga. Dahinter steht mit David Kickert ein mit gerade mal 20 Jahren noch sehr junger Backup bereit. Der Niederösterreicher gehört zu den größten Talenten im Nachwuchsbereich, in der EBEL hat er allerdings noch nicht allzu viel Eiszeit erhalten. Das wird sich auch in dieser Saison nicht ändern, denn mehr als sporadische Einsätze dürften für Kickert noch nicht drin sein. Für ihn gilt es, im Training zu lernen, seine Einsatzzeiten für Erfahrungen zu nützen und sich kontinuierlich an das Niveau heranzutasten. Sobald Matt Zaba allerdings verletzt sein sollte, wird man in Wien wieder am Goaliemarkt aktiv werden müssen. Das birgt ein gewisses Risiko, das einzugehen man bei den Capitals bereit ist. Auch keine Seltenheit in der Erste Bank Eishockey Liga. Bewertung: 3,5 von 5 Punkten Abwehr: Abgänge: Adrian Veideman, Justin Fletcher, Andre Lakos, Mark Matheson, Peter Schweda Zugänge: Florian Iberer, Brett Carson. Mit nur 103 Gegentoren konnten die Vienna Capitals letzte Saison die beste Defensive im Grunddurchgang der Erste Bank Eishockey Liga stellen. Das war einem entsprechenden System geschuldet, dessen Hauptaugenmerk auf die Abwehr gerichtet war. Ganz so extrem defensiv wird man heuer nicht mehr ausgerichtet sein, die Verteidiger müssen sich etwas mehr in die Offensive einbinden. Daher dürfte man auch die beiden Neuzugänge so gewählt haben, dass sie Lücken schließen. Florian Iberer ist ein bekannt konstanter Offensivverteidiger, der allerdings in der Rückwärtsbewegung einige Probleme hat. Dafür hat man mit Brett Carson einen Abwehrspezialisten, dessen Qualitäten vor allem vor dem eigenen Tor liegen. Dazu bleiben mit den erfahrenen Sven Klimbacher, Philippe Lakos und Jamie Fraser drei weitere wichtige Stützen. Markus Schlacher, gelernter Stürmer, ist inzwischen auch in seine Verteidigerrolle hineingewachsen und kann einen kompakten Part spielen. Ebenso das Talent Patrick Peter, das allerdings nicht ganz so viel Eiszeit erhalten wird, wie noch unter Samuelsson. Insgesamt haben die Vienna Capitals nämlich nur 8 Verteidiger im Kader, davon ist einer der erst 17-jährige Dominic Hackl. Das deutet ganz klar darauf hin, dass man mit nur sieben Verteidigern am Spielbericht agieren möchte. Alles in allem scheint man nicht mehr ganz so breit aufgestellt wie letzte Saison zu sein, Verletzungen in der Defensive könnten zum Problem werden. Trainer Tom Pokel wird daher sehr stark darauf bedacht sein, die Defensivaufgaben seiner Stürmer im Auge zu behalten. Bewertung: 4,0 von 5 Punkten ###Kaderbewertung Vienna Capitals – Angriff und Trainer: Angriff: Abgänge: Kris Beech, Francois Fortier, Justin Keller, Stefan Nador, Marcus Olsson, Mike Ouellette, Mario Seidl, Ali Wukovits. Zugänge: Matt Watkins, Adam Naglich, Peter MacArthur, Hugh Jessiman, Julian Grosslercher, Kris Foucault. Den größten Umbruch im Kader gab es bei den Vienna Capitals im Sturm. Hier gab es auch die meisten Spieler, die in den Play Offs einfach nicht ihre Leistung brachten. Dazu gehörten unter anderem auch Justin Keller und Mike Ouellette. Dass Fanliebling Fortier gehen musste war sicher eine schwere Entscheidung, war aber schon lange an der Zeit. Der Torjäger vom Dienst hatte zwar eine sehr gute Saison, tauchte aber in den Play Offs unter. Das lag allerdings auch an der deutlich defensiveren Ausrichtung, die einem Fortier nicht schmeckte. Arbeitstier Marcus Olsson war ein zuverlässiger Spieler, für einen Legionär allerdings ebenfalls über die Saison gesehen zu unkonstant. Kris Beech kam schließlich ohnehin nur als Play Off Verstärkung, einen bleibenden Eindruck hat auch er nicht hinterlassen. Tom Pokel hat sich daher bei seiner Kaderzusammenstellung darauf konzentriert, viele Arbeiter ins Team zu holen, die bereit sind, die langen Wege zu gehen, aber auch scoren können. Dabei muss man vor allem Top-Scorer Fortier ersetzen und hofft, diese Bürde auf mehrere Schultern aufteilen zu können. Adam Naglich ist ein EBEL-erprobter Crack, der für ca. 40 Punkte gut ist. Hugh Jessiman hat nach einem schwachen Jahr in Zagreb etwas gut zu machen und wird sind in der weniger hochklassigen EBEL sicher wohler fühlen. Mit Kris Foucault könnte man einen Torjäger in der Tradition eines Fortier gefunden haben, auch Peter MacArthur ist eine hoffnungsvolle Aktie, die aber Probleme bereiten könnte. Er kam nur als Try Out, spätestens im November könnten daher auf Grund zu vieler Kaderpunkte schwere Entscheidungen auf die Wiener zukommen. Matt Watkins wird als Center wichtige Aufgaben zu erledigen haben, die andere schon bewiesen haben, dass sie es können. Dustin Sylvester zum Bespiel ebenso, wie der neue Kapitän Jonathan Ferland. Das Amt des „C“ wurde Benoit Gratton abgenommen, er darf sich wieder auf sein Spiel konzentrieren und geht in seine vielleicht letzte Eishockeysaison. Zu dieser Flut an Legionären kommen noch einige aufstrebende Österreicher, wie Kevin Puschnik, Michael Schiechl, Nikolaus Hartl, und Mario Fischer. Ergänzt um einen Rafael Rotter ist man auch in der rot-weiß-roten Fraktion gut aufgestellt. Der Sturm ist heuer auf jeden Fall gleichmäßiger und tiefer besetzt, als noch vor einem Jahr. Ein Team, das ohnehin auch offensiv bereits zu den gefährlichsten Mannschaften der Liga zählte, wird auch mit neuem Spielsystem genug Durchschlagskraft besitzen. Die Frage ist, ob all diese harten Arbeiter auch das kreative Potential haben, ein Spiel zu gestalten. Bewertung: 4,5 von 5 Punkten Trainer: Abgang: Tommy Samuelsson Zugang: Tom Pokel Nach drei Jahren unter Tommy Samuelsson ist man bei den Vienna Capitals vom schwedischen Weg abgewichen und wendet sich wieder der nordamerikanischen Spielphilosophie zu. Tom Pokel kommt als Meister aus Bozen und übernimmt ein Team, das in den letzten Jahren konsequent unfähig war, den letzten Schritt zu machen. Immer dann, wenn es ums Eingemachte ging, waren die Wiener nicht bereit. Einen viel offensiveren Stil als sein Vorgänger wird auch Tom Pokel nicht pflegen, er gilt ebenfalls als Verfechter einer kontrollierten Offensive, wie man auch in Bozen gesehen hat. Seine besondere Fähigkeit lag in seinen bisherigen Karrierestationen immer darin, dass er aus vielen unterschiedlichen Charakteren eine Mannschaft geformt hat. Das versucht er nun auch in Wien, es gibt keine Stars, nur das Team fehlt. Da müssen sich auch bekannte Heißsporne unterordnen, der Lohn ist, dass man die Eiszeit besser aufteilt, die Linien tiefer besetzt sind und damit auch die Kräfte besser eingeteilt werden können. Natürlich ist der Druck in Wien um einiges größer, als bei einem Liganeuling in Bozen. Nicht nur die Erwartungen der Vereinsverantwortlichen sind deutlich höher, auch die Fans wollen mehr als nur mitspielen. Bei den Capitals ist man es gewohnt, dass der Titel als Ziel im Visier ist. Das weiß auch Co-Trainer Philippe Horsky, der sich in seiner Funktion als Nachwuchsmanager und Co-Trainer bei den Wienern heimlich, still und leise zu einem angesehenen Experten gemausert hat. Seine Aufgabe ist es auch, den Nachwuchs zu fördern, was den Capitals ligaintern einiges an Anerkennung einbringt. Horsky kennt das Umfeld, einen Großteil der Mannschaft und ist als Bindeglied innerhalb des Vereins immens wichtig. Beide Trainer arbeiten professionell, versuchen auch einen entsprechenden Umgang mit Spielern, Medien und Fans zu pflegen und gehören ohne Frage zum Besten, was die EBEL zu bieten hat. Bewertung:5 von 5 Punkten Gesamtwertung: 17,0 von 20 Punkten ###Die Zwischenwertung in der HF.at Kaderbewertung: 1. Vienna Capitals 17,0 Punkte 2. Black Wings Linz 15,5 Punkte 3. KAC 13,0 Punkte 4. Fehervar AV10 10,5 Punkte 5. Olimpija Ljubljana 8,5 Punkte

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