Olympia: Kanada um Klassen besser als Österreich

Freitag, 14.Februar 2014 - 20:09
13-14-aut-slo-starkbaum1hf.250.jpg Reinhard Eisenbauer

Leidenschaftlich wehrte sich das Team Austria im zweiten Match des Olympiaturniers von Sotschi gegen einen übermächtigen Gegner. Kanada war erwartungsgemäß um zwei Klassen stärker als die ÖEHV Auswahl und feierte einen deutlichen 6:0 Sieg.

Mit geändertem Line Up schickte Teamchef Manny Viveiros sein Team Austria zum Prestigekampf gegen Kanada aufs Eis. Anders als noch gegen Finnland durften Mathias Lange als Backup, sowie Mathias Iberer und Raphael Herberger ran. Die Österreicher begannen dann auch äußerst beherzt und fanden durch Thomas Vanek, Michael Raffl sowie Brian Lebler ihre ersten Möglichkeiten vor. Dieses Mal gelang aber kein effizienter Beginn, sondern die Kanadier übernahmen erwartungsgemäß das Kommando. In der 6. Minute war es ein Handgelenksschuss von der blauen Linie, der die Ahornblätter dann auch früh in Front brachte. Drew Doughty brachte den Favoriten somit schnell auf Kurs und legte fünf Minuten später nach. Wieder war es mit Shea Weber ein Verteidiger, der einen Knaller losließ und im Konter auf 2:0 stellte.

Das Match war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, in der Defensive zeigte das Team Austria einmal mehr Orientierungslosigkeit. Sobald es etwas schneller wurde, wirkte das Abwehrverhalten eher einem aufgeschreckten Hühnerhaufen als kontrollierter Arbeit. Das wiederum resultierte zu vermehrten Chancen und immer stärker werdenden Angriffen der Kanadier. Etwas Anderes durfte man allerdings auch nicht erwarten, immerhin spielte hier eine Auswahl von 25 NHL Cracks gegen Österreich.

Und die ÖEHV Truppe erfing sich in der Schlussphase des ersten Abschnitts, was vom Gegner allerdings auch zugelassen wurde. Über ein kämpferisches Penalty Killing arbeitete sich das Viveiros Team besser ins Match und hatte in der 18. Minute durch Matthias Trattnig eine gute Möglichkeit. Den darauffolgenden Nachschuss von Thomas Vanek verhinderte ein Kanadier gerade noch. Eine Minute später waren dann alle Kanadier, inklusive Goalie Roberto Luongo geschlagen, als Michael Grabner aus der Halbdistanz abzog. Der Schuss des Islanders Stürmers ging aber an die Querlatte und so hieß es nach 20 Minuten 2:0 für den Goldmedaillengewinner von Vancouver. Verdient, auch in dieser Höhe, aber Österreich schlug sich mit den vorhandenen Mitteln durchaus achtbar und zeigte trotz technischer und eisläuferischer Unterlegenheit Einsatz und Kämpferherz.

Kanada legt nach Fehlern nach
Der Mittelabschitt begann mit einem Power Play für Österreich, in dem die ÖEHV Schützlinge aufzeigten und Roberto Luongo erstmals so richtig ins Schwitzen brachten. Direkt bei Ablauf der Strafe leistete sich Österreich aber einen Fehler im Spielaufbau, Jeff Carter stahl direkt von der Strafbank kommend die Scheibe und die Ahornblätter düpierten die rot-weiß-rote Abwehr scheinbar mühelos. Das 3:0 für die Nordamerikaner, das wenige Augenblicke später eigentlich nicht mehr bestehen hätte dürfen. Brian Lebler, der beste Torschütze des Team Austria in der jüngsten Vergangenheit, kam frei zum Schuss, vergab aber direkt vor dem Tor stehend.

Jeff Carter sollte wenig später den nächsten Fehler ausnützen, denn Bernhard Starkbaum vertändelte hinter dem eigenen Tor die Scheibe und wurde prompt mit dem 0:4 dafür bestraft. Zu viele Fehler im eigenen Drittel hatten für diesen nun schon sehr deutlichen Vorsprung geführt. Die Kanadier konnten daraufhin ihre Bemühungen deutlich zurückschrauben und so durften die Österreicher etwas durchatmen, ohne jedoch die klare optische Überlegenheit des Gegners zu beenden.

Die Kanadier konnten sich diese kleine Verschnaufpause leisten, denn wenn es dann einmal schneller ging, schlugen sie auch gleich zu. Jeff Carter vollendete in der 35. Minute seinen Hattrick und schraubte das Ergebnis auf 5:0 hoch. Danach hatte Bernhard Starkbaum seine großen Auftritte: zuerst hielt er einen Penalty gegen Corey Perry, Sekunden später pflückte er auch noch einen Schuss von Jamie Benn aus der Luft.

Gegentor im Power Play
Als die ÖEHV Auswahl in den letzten vier Minuten mit einem Mann mehr am Eis standen wurde es besonders bitter. Ryan Getzlaf war an der Bande mit der Scheibe auf und davon, ließ die rot-weiß-roten Gegenspieler aussteigen und lupfte scheinbar locker zum 6:0 ein (37.). Es wurde mit schwindenden Kräften immer bitterer, die deutlich höheren Qualitäten der Kanadier wurden immer offensichtlicher.

Im Schlussdrittel war nach 100 Minuten unter vollem Beschuss Bernhard Starkbaum mit einer Pause dran. Er machte Platz für DEL Legionär Mathias Lange, der sah, wie der auffälligste Österreicher am heutigen Tag, Matthias Trattnig wieder vor dem gegnerischen Tor eine gute Aktion zeigte. Aber während dem Team Austria ein Treffer verwehrt blieb, drückte Kanada weiterhin auf das ÖEHV Gehäuse. Matt Duchene setzte einen Schuss ans Torgestänge und Mathias Lange war im Glück.

Dass sich die Österreicher nun wieder besser schlugen lag auch daran, dass Kanada inzwischen nur noch das Notwendigste tat und nach vorne nur noch wenn wirklich nötig Ambitionen zeigte. In der Abwehr jedoch blieben die Ahornblätter sehr konsequent, übersahen in der 26. Minute aber Oliver Setzinger. Der Schweiz Legionär war auf und davon, vergab dieses 1 gegen 0 Break aber und so blieb es weiterhin beim 0:6.

Während auf der Bank der Kanadier bereits der „Schmäh“ lief stemmten sich die Österreicher auch in den letzten Minuten dieser Partie mit all ihren Möglichkeiten gegen die weiterhin anstürmenden Kanadier. Mathias Lange konnte sich in dieser Phase einige Male mit guten Reflexen und ruhigem Stellungsspiel auszeichnen, während auch auf der anderen Seite Roberto Luongo zumindest bei ein paar Szenen eingreifen musste. Es blieb aber dabei: die Österreicher brachten kein Tor zustande und mussten sich deutlich 0:6 geschlagen geben. Die zweite Niederlage im zweiten Spiel – das kommt nicht unerwartet. Das wichtigste Match steigt am kommenden Sonntag (9 Uhr), wenn der Gegner Norwegen heißt. Auch die Skandinavier sind nach zwei Spieltagen ohne Punkt.

Es war die erwartete Demonstration der unterschiedlichen Kräfteverhältnisse und die Teamspieler aus Österreich haben erkennen müssen, wie schnell Eishockey wirklich gespielt werden kann. Trotz allem kann man der Mannschaft von Manny Viveiros was Einsatz, Wille und Leidenschaft betrifft keinen Vorwurf machen. Bis zur letzten Sekunde stemmte man sich gegen den übermächtigen Gegner und machte damit das, was man mit seinen im Vergleich zum Titelverteidiger verständlicher Weise bedingt vorhandenen Möglichkeiten zu tun im Stande war.

Kanada – Österreich 6:0 (2:0, 4:0, 0:0)
Tore:1:0 Doughty (6.), 2:0 Weber (11.), 3:0 Carter (23.), 4:0 Carter (25.), 5:0 Carter (35.), 6:0 Getzlaf (37./SH),
Schüsse: 46:23 (16:7, 15:10, 15:6)
Strafen: 8:2 Minuten (0:2, 8:0, 0:0)

Aufstellung Österreich:
Tor: Starkbaum (Lange/40.)

Linie 1: Ulmer/Pöck, M. Raffl/Grabner/Lebler
Linie 2: Trattnig/Lakos, Koch/Setzinger/Vanek
Linie 3: Altmann/Lukas, T. Raffl/Nödl/Hundertpfund
Linie 4: Unterluggauer/F Iberer, Latusa/M Iberer/Herburger

Quelle: