Kaderbewertung: Dornbirn lässt das Ländle wieder erstklassig werden

Donnerstag, 30.August 2012 - 5:30
photo_276800_20120820.jpg EXPA © Peter Rinderer

Endlich! Worauf man so lange warten musste, hat im vergangenen Sommer überraschend und kurzfristig stattgefunden. Vorarlberg ist wieder auf der Eishockey-Landkarte der EBEL zu finden – dank den Bulldogs aus Dornbirn. Lange Zeit haben die Vorarlberger ein Geheimnis um Trainer und Kader gemacht und dann gibt es da noch die Gerüchte über ein bemerkenswertes Budget. Unabhängig davon wartet auf den ehemaligen Nationalligisten ein hartes erstes Jahr – aber wie weit oben in der Tabelle kann man die Dornbirner erwarten? In der Nationalliga haben es die Bulldogs zuletzt noch nicht einmal ins Finale geschafft und entsprechend unerwartet kam auch die Ankündigung, in die EBEL einsteigen zu wollen. Sicher, mittelfristig, so hieß es seit Jahren, wollte man den Aufstieg wagen, als es dann endlich so weit war kam es dann doch überraschend. Im Hintergrund soll der Red Bull Konzern seine Fäden mit gezogen haben, Red Bull Abfüller Rauch scheint als Sponsor bei den Bulldogs auf und schon ranken sich Gerüchte über ein 3 Millionen Budget bei den Messestädtern. Das würde die Vorarlberger auf Anhieb in die obere Liga der EBEL-Finanzen katapultieren. In den letzten fünf Jahren waren die Dornbirner zwei Mal Nationalliga Champion, zwei Mal wurde man Vizemeister – rein sportlich hat man also durchaus die Ambitionen anklingen lassen, in Richtung EBEL zu schnuppern. Aber nicht nur sportlich, auch die Infrastruktur ist seit geraumer Zeit EBEL-tauglich, vor allem was die Fans betrifft. Über 4.000 finden hier Platz und man hatte in der Nationalliga schon Jahre, in denen man an der 2.500er Grenze was den Zuschauerschnitt betrifft, kratzte. Wenn das Team der Bulldogs also eine EBEL Euphorie entfachen kann, dann ist die Region schnell Feuer und Flamme. So viel dürfte feststehen, auch wenn mit Feldkirch und Lustenau die Konkurrenz sehr nahe ist. Die beiden Ländleteams bleiben in der inzwischen neuen Inter-Nationalliga und es wird sich der ein oder andere Sportfan sicherlich nach Dornbirn begeben, um erstklassiges Eishockey zu sehen. Das Potential zu einer Macht im äußersten Westen Österreichs ist also gegeben. Diese regionale Abgeschiedenheit ist aber auch eines der größten Probleme, denn die Anreisewege sind durchaus bemerkenswert. Es wird eine Saison der langen Wege für die Vorarlberger, die aber mit ihrer Kaderzusammenstellung gezeigt haben, dass man längerfristig für die EBEL plant. ###Die Ausgangslage Keine Frage, wer in der Nationalliga im Halbfinale ausgeschieden ist, der kann nicht mit diesem Kader in die EBEL aufsteigen. Der Sprung in die Erstklassigkeit ist sehr groß und somit hatten die Bulldogs-Verantwortlichen jede Menge Arbeit zu verrichten und die Ärmel hochzukrempeln, um ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen. Statistische Fakten 11/12 (aus der Nationalliga): Power Play: 19,77% (4.) Penalty Killing 88,14% (1.) Fairplay 20,03 Min/Sp (11.) Tore geschossen im Grunddurchgang: 156 (2.) Tore erhalten im Grunddurchgang: 68 (3.) Das Halbfinale war die Endstation für die Bulldogs in der letzten Saison und ein Blick auf die Statistiken lässt erahnen, warum das so war. Vor allem was die Disziplin betraf, gab es offenbar Probleme bei den Dornbirnern. Doch das ist Schnee von gestern, denn die Mannschaft wurde stark umgebaut. Hier könnten die Messestädter in eine „was wäre wenn“ Mentalität verfallen, denn es ist schon bemerkenswert, wie viele Talente Dornbirn in den letzten Jahren verlassen haben und in der EBEL untergekommen sind. Herburger, Fechtig, Grabher-Meier, Mairitsch, Wolf, Spannring – sie alle haben ihre Wurzeln in Dornbirn. Falls man ein paar dieser Spieler kurz- bis mittelfristig wieder ins Ländle zurückholen kann, darf man für die Zukunft der Bulldogs zuversichtlich sein. Bis dahin heißt es aber Zähne zusammenbeißen und durchtauchen. Das erste Jahr wird wie für den zweiten Neueinsteiger Innsbruck ein Lernjahr. Der Kader musste fast vollständig erneuert werden und das auch noch dazu zu einer Zeit, in der die Planungen vieler Spieler schon getätigt waren. Somit konnte man auch personell keine großen Sprünge machen und geht mit einem personell zwar scheinbar breit aufgestellten Kader an den Start, dem es aber massiv an Tiefe fehlt. Vor allem die Defensivabteilung ist hier sehr augenscheinlich – jenes Mannschaftsstück, das in der EBEL über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Die Erwartungen dürfen in diesem ersten Jahr nicht hoch gelagert sein. Mitspielen, die ein oder andere Überraschung abliefern und dann in der Zwischenrunde mit etwas Glück um einen Play Off Platz mitspielen. Mehr wird allerdings nicht drin sein für die Dornbirner. Aber fürs erste Jahr wäre das schon mehr als zufriedenstellend. HF.at Prognose: Platz 8 bis 12 ###Kaderbewertung Dornbirner EC – Torhüter und Abwehr: Torhüter: Abgänge: Schwendinger Zugänge: DesRochers, Brenkusch In den letzten beiden Jahren vertraute man bei den Bulldogs in der Nationalliga auf Hannes Enzenhofer im Tor. Der gebürtige Klagenfurter mit drei Meistertiteln und über 100 EBEL Partien für den KAC am Rücken hat sich im Ländle eine neue Karriere erarbeitet. Den Lohn dafür kann sich der inzwischen 31-Jährige jetzt abholen. Enzenhofer kehrt in die EBEL zurück und wird es allen zeigen wollen, dass er es noch drauf hat, auf diesem Niveau zu agieren. Doch der Kärntner wird sich wohl mit der Position der Nummer 2 zufrieden geben müssen. Mit dem Frankokanadier Patrick DesRochers glaubt man beim Dornbirner EC einen Nummer 1 Mann gefunden zu haben. Der 32-Jährige verfügt ohne Frage über jede Menge Erfahrung, allerdings zuletzt nicht mehr auf höchstem europäischen Niveau. DesRochers stößt aus der norwegischen Liga in die EBEL und wird beweisen müssen, dass er noch immer fähig ist, eine Mannschaft von hinten zu stützen. Ein Mann mit 6 NHL Partien, vielen Jahren AHL und auch DEL Einsätzen sollte einermjungen, unerfahrenen Team Rückhalt geben können. Als Duo wirken DesRochers/Enzenhofer sehr kompakt und selbst bei einer Verletzung muss noch keine Panik ausbrechen, weil Ersatz vor Ort ist. Mit dem 21-jährigen Andreas Brenkusch hat man ein Talent in seinen Reihen, das sich durch diverse Nachwuchs-Nationalteams einige Sporen verdient hat, die EBEL dürfte aber noch eine Nummer zu groß sein. Es wird sehr viel darauf ankommen, ob DesRochers die erhoffte Verstärkung ist und somit auch mehr als nur EBEL Mittelmaß abliefern kann. Bewertung: 2,5 von 5 Punkten Abwehr: Abgänge: Mickey Elick, Bernhard Fechtig, Tobias Holzer, Olli Korkeavuori, Michael Kutzer, Nicolaus Paul, Stefan Spannring. Zugänge: Scott Aarssen, Jonathan D'Aversa, Olivier Magnan, Johannes Schernthaler, Marc Trummer. Sehr, sehr dünn ist sie besetzt, die Abwehr der Dornbirn Bulldogs. Nur sieben Verteidiger hat man im Kader und davon kann man wohl nur drei echte EBEL-tauglichkeit zusprechen. Und das sind die Legionäre, die allerdings wie im Fall von Scott Aarssen auch nicht gerade mit Erfahrung brillieren können. Der 24-Jährige kommt aus der Collegeliga und hatte noch keinen einzigen Profieinsatz. Dafür hat man mit den beiden Legionären Jonathan D'Aversa und Olivier Magnan zwei Profis alter Schule im Talon. Magnan spielte noch vor zwei Jahren NHL und ist über die italienische Liga im Ländle gelandet. Für echte Torgefahr hat er in seiner bisherigen Karriere noch nicht sorgen können, eine Aufgabe, die Jonathan D'Aversa bereits erledigt hat. In der DEL gab es schon einmal ein Jahr mit 15 Toren für den Quarterback im Spielaufbau der Bulldogs. Diese Funktion wird er auch ausfüllen müssen, denn ansonsten ist das große Talent eher lange zu suchen. David Slivnik kennt man bereits aus der EBEL (VSV, Jesenice). Er ist ein Arbeiter, kein Gestalter und somit ein Mann für die hinteren Linien. Das gilt auch für die beiden Youngsters Marc Trummer und Johannes Schernthaner, die einen großen Schritt nach vorne machen müssen, wollen sie auf diesem Niveau mithalten. Zum Schluss hat man mit Jürgen Fussenegger einen über lange Jahre verdienten Bulldogs-Spieler im Kader, dessen Fähigkeiten für die EBEL aber wohl begrenzt sind. Zwei Linien wird der Trainer der Vorarlberger mit ruhigem Gewissen aufstellen können, dahinter wird es sehr dünn. Der ein oder andere erfahrene Spieler hätte in diesem Bereich sicher nicht geschadet. Bewertung: 1,5 von 5 Punkten ###Kaderbewertung Dornbirner EC – Angriff und Trainer: Angriff: Abgänge: Thomas Auer, Scott Barney, Daniel Fekete, Julian Grafschafter, Christopher Löfberg, Roman Scheiber, Brad Schell, Lukas Schwitzer, Sean Selmser. Zugänge: Luciano Aquino, Danny Bois, Lukas Draschkowitz, Christoph Harand (Try Out), John Hecimovic, Michael Henrich, Andrew Kozek, Clark MacLean, Dale Mitchell, Kassian Wohlgenannt, Nicolas Petrik (Try Out), Philip Putnik (Try Out), Max Wilfan (Try Out). Derzeit tummeln sich noch jede Menge an Try Out Stürmern in der Messestadt und wollen sich für einen EBEL Vertrag aufdrängen. Auch wenn es punktemäßig schon eng für die Dornbirner wird, einen Chris Harand, der trotz einem Jahr Stillstand jede Menge Erfahrung hat, wird man unbedingt versuchen, ins Team zu holen. Im Sturm hat man einige interessante Leute geholt. Vor allem Danny Bois ist eine Verstärkung für jede Mannschaft, nicht umsonst war auch Meister Linz lange Zeit am Kanadier dran, hat sich dann aber für Brett Engelhardt entschieden. Auch mit Leuten wie einem Michael Henrich oder John Hecimovic wurden ausgebuffte Profis in den Kader geholt, die für Unruhe vor dem Tor sorgen können. Hecimovic hat seine beste Zeit allerdings weit hinter sich gelassen und hat selbst in Asien keine herausragenden Leistungen mehr gebracht. Luciano Aquino ist italienischer Nationalteamspieler und ebenso erfahren. Mit den jungen Nordamerikanern Logan MacMillan, Dale Mitchell und Clark MacLean hat man riskiert, doch auch hier ist durchaus Potential vorhanden. Bei den Österreichern hat man mit Christian Ban, Lukas Draschkowitz und Alexander Feichtner Stürmer für die hinteren Angriffsreihen im Kader, die auch schon in der EBEL Erfahrungen gesammelt haben. Im Vergleich zur direkten Konkurrenz aus dem hinteren Tabellendrittel ist man im Angriff nicht nur tiefer, sondern auch ausgeglichener besetzt und hat einige gestandene Profis im Kader. Ein echter Goalgetter ist zwar nicht darunter, doch wenn es die Breite ausmachen kann, ist das auch nicht nötig. Wichtig wird sein, dass der Sturm produziert und kreativ wird, denn von hinten ist angesichts der dünnen Personaldecke nur mit sporadischer Unterstützung nach vorne zu rechnen. Bewertung: 2,5 von 5 Punkten Trainer: Abgang: Lenny Eriksson Zugang: Dave MacQueen Einen in Europa unbekannten Mann hat sich Dornbirn für das Traineramt geangelt. Dave MacQueen war früher selbst aktiver Spieler und als Coach zwei Jahre beim NHL Team in Tampa Bay als Assistant Trainer angestellt. Zuletzt war der Neo-Vorarlberger 12 Jahre lang in der Ontario Hockey League engagiert, wo er allerdings im Februar 2011 seines Amtes enthoben wurde. Seither hat MacQueen keine Anstellung mehr gehabt, ehe ihn Dornbirn anrief. Der 53-Jährige hatte vom Vorstand der Bulldogs Großteils freie Hand was die Legionärsauswahl betraf und ist auch mit einigen unbekannten Leuten aus Nordamerika ins Ländle gekommen. Der Trainer weiß, dass man mit dem vorhandenen Kader nicht vorne mitspielen wird und da dies auch das Umfeld realisiert kann man ohne Druck arbeiten. Nach den langen Jahren in einer Juniorenliga wird aber auch für MacQueen der Sprung ins Profitum der EBEL einer ins kalte Wasser sein. Bewertung: 2,5 von 5 Punkten Gesamtwertung: 9 von 20 Punkten ###Die Zwischenwertung in der HF.at Kaderbewertung: 1. Graz 99ers 11,5 Punkte 2. Olimpija Ljubljana 11,0 Punkte 3. Dornbirner EC 9 Punkte 4. HC TWK Innsbruck 8,5 Punkte Morgen geht es weiter mit Teil 5 in unserer Serie mit dem VSV.

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