Der schleichende Tod des Punktesystems

Mittwoch, 09.September 2009 - 20:16
Goaliehelm von hinten Eisenbauer.com

Heimlich, still und von fast keinem bemerkt wurde die Punkteregelung in der EBEL derart aufgewässert, dass sie praktisch nicht mehr existent ist. Es war in einer Ligasitzung im Mai, als man sich zu einer Überarbeitung der vieldiskutierten und von den Spielern so gehassten Punkteregelung durchgerungen hatte. Das Ergebnis dürfte einige überraschen - und nicht alle positiv. Führt man sich die aktuellen Durchführungsbestimmungen der EBEL und hier den Abschnitt zur Punkteregel genauer zu Gemüte, so sticht ein Satz aus Teil C (EBEL Kaderregelung 2009/10) besonders ins Auge: Nationale U22-Spieler (Spieler der Jahrgänge 1988 und jünger, die keine Transferkarte benötigen) müssen gemeldet werden, zählen jedoch nicht zum 22-Mann-Kaderblatt bezüglich Anzahl Spieler und Anzahl der Gesamtpunkte. Damit wurde die Punkteregelung mit einem Schlag ad adsurbum geführt! Dieser neue Passus ist vor allem für alle Spieler über 22 Jahre ein Schlag vor den Kopf. Rein theoretisch ist es ab sofort möglich, eine Mannschaft mit 15 Legionären (zu je 4 Punkten, gesamt 60 Punkte - das sind 3 volle Linien!) und 7 U22 Spieler (zu 0 Punkten) aufzustellen und dennoch weiterhin das geltende Punktesystem (60 Punkte als Obergrenze) zu erfüllen! Kein Wunder, dass sich gerade die etwas älteren Spieler über das Punktesystem beschweren! Der Linzer Kapitän Philipp Lukas hielt am Mittwoch in einem Online Chat der OÖ Nachrichten mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: " Die Regelung ist absoluter Schwachsinn, weil sie kontraproduktiv für das österreichische Eishockey ist. Junge Spieler werden gefördert, das hat durchaus seine Berechtigung, aber österreichische Spieler ab 24 Jahren werden abserviert und durch Ausländer ersetzt." Bekannte Namen als Profiteure Mit dieser Regelung werden junge Spieler noch wertvoller für die Vereine. Bekannte Namen wie Martin Ulmer (Salzburg), Michael Schiechl (Salzburg), Daniel Oberkofler (Linz), Manuel Ganahl (Graz), Daniel Woger (Graz), Thomas Hundertpfund (KAC), Raphael Herburger (KAC), Stefan Geier (KAC), Manuel Geier (KAC), Christoph Draschkowitz (Vienna Capitals), Lukas Draschkowitz (Vienna Capitals), Rudolf Hummel (Vienna Capitals), Nico Toff (VSV), Michael Raffl (VSV), Benjamin Petrik (VSV) oder Andreas Kristler (VSV) sind plötzlich keine Punkte mehr wert und belasten damit das Kaderkonto nicht mehr. Diese Regelung hat nun zwei Auswirkungen: einerseits werden jene Mannschaften, die tatsächlich auf viele U22 Spieler setzen belohnt, indem sie mehr Legionäre oder österreichische Teamspieler einsetzen können. Andererseits geraten Spieler, die älter als 22 Jahre sind unter (sportlichen, wie auch finanziellen) Druck. Sie stellen eine größere und vor allem vermeidbare Punktebelastung dar und könnten rascher aus den Kadern gestrichen werden, als dies ohnehin zuletzt verstärkt der Fall war. Es besteht die Gefahr, dass Eishockeyprofis im besten Sportleralter plötzlich keinen Job mehr finden. In der Bundesliga, wie auch Nationalliga gibt es bei immer weniger werdenden inländischen Vereinen auch immer weniger Kontingentplätze für Österreicher. Mit der Aushöhlung des Punktesystems könnte diese Entwicklung sogar noch beschleunigt werden, denn plötzlich hat man wieder die Möglichkeit, mehr als die bislang eingesetzten Legionäre aufs Eis zu stellen. Es hat scheinbar lange gedauert, bis auch die Vereine entdeckten, was sie da beschlossen haben, doch die Transfertätigkeiten der letzten Tage erklären sich mit diesem neuen Passus sehr logisch. Da kann sich Salzburg schnell einmal einen zweiten Legionärsgoalie "leisten", wenn man viele U22 Spieler aus dem Farmteam holen kann. Man darf wohl in den nächsten Wochen noch ein paar entsprechende Transferaktionen quer durch die Liga erwarten, sofern noch Kaderplätze freigelassen wurden. Das Ende des Systems? Das Punktesystem in der EBEL war ohnehin vor allem bei einigen Vereinen und auch vielen Spielern nicht besonders beliebt, wurde aber eingeführt, um einen "Salary Cap"-ählichen Zustand zu erreichen. Mit den neuen Regelungen (so fehlt heuer auch der Passus, dass die Punkte eines gesperrten Spielers als Strafe für das Team von der Gesamtpunktezahl abgezogen werden) dürfte sich das Punktesystem, das vom Linzer Ex-Präsidenten Dr. Wetzl und dem Innsbrucker Günther Hanschitz "erfunden" wurde, seinem Ende nähern.

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