Interview - M. Wilfan: Ich denke Schritt für Schritt

Samstag, 24.Januar 2009 - 10:56
max_wilfan_1.jpg Max Wilfan

Max Wilfan, linker Flügelstürmer und U18-Nationalspieler, misst sich seit zwei Jahren in Schweden mit den besten Nachwuchsspielern seines Jahrganges. Nach einem Eingewöhnungsjahr zeigt der Klagenfurter in dieser Saison was in ihm steckt: Wilfan ist Topscorer seines Teams Grums IK und zählt auch ligaweit zu den Besten. Der Kärntner, Jahrgang 91, hat seine Jugend in Österreich beim KAC verbracht. Spielte dort zuletzt U17 und einige Male U20. Wilfan stand mit 4 Jahren das erste Mal auf dem Eis und hat aufgrund der Familienbande das Eishockey im Blut. Sein Bruder Franz spielt beispielsweise aktuell beim ATSE in Graz, sein Cousin Thomas Pöck bei den NY Islanders. Wilfan wechselte vor zwei Jahren nach Schweden, begann seine Auslandskarriere in Malmö und spielt diese Saison für Grums. Grums, ein Ort im Westen von Schweden mit knapp 10 000 Einwohnern und in etwa 20 Autominuten von der nächsten größeren Stadt Karlstad entfernt, spielt in der schwedischen J18 Elit Västra-Liga. Die J18 Elit ist die höchste Spielklasse der U18-Jährigen. Wilfan, der mittlerweile vorzüglich schwedisch spricht und in Grums ein Appartement bewohnt, führt mit 11 Toren und 9 Assists (20 Punkte) nach 18 Runden die interne Scorerwertung an. Weiters liegt der Österreicher damit unter den Top 15-Spielern seiner Liga. In anderen Worten: Wilfans Aktie befindet sich im Steigen. Hf.at hat daher beim U18-Nationalspieler genauer nachgefragt. Max, warum hast Du dich für einen Auslandsweg entschieden? Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Ich habe mir gedacht, dass ich im Ausland ein besserer Spieler werde, mich besser entwickeln kann. Ich habe mit meinem Vater darüber geredet, dass ich ins Ausland gehen möchte. Er hat mich von Anfang an unterstützt und geschaut welche Vereine interessant sein könnten. Der ehemals beim KAC tätige und jetzige Nachwuchsleiter bei Malmö, Roger Öhmann, hat mir eine Chance gegeben. Beim Try Out hat es dann geheißen, dass ich kommen kann. Wie war das Jahr in Malmö? Zu Beginn war alles OK, beim Try Out hat eigentlich alles gepasst. Als ich dann in Malmö angekommen bin musste ich feststellen, dass wir einen neuen Trainer bekommen haben. Der hat mich natürlich am Anfang nicht gekannt und ich war geschockt als er mir gesagt hat, dass ich, weil ich kleiner bin, im ersten Monat nur in die Kraftkammer gehen soll. Er meinte, erst dann reden wir übers Eishockey. Das habe ich dann gemacht und eigentlich immer gespielt. Von der Statistik her war die letzte Saison nicht so überragend. Nach einem Jahr in Malmö folgte Grums… Grums hat Kontakt mit Öhmann aufgenommen und ihr Interesse an mir deponiert. Sie haben Spieler gebraucht. Grums ist zwar nicht der „Überverein“ aber es hat mir getaugt, dass sie mich haben wollten. Da habe ich schwer nein sagen können. Ich dachte mir, dass mache ich. Zum Glück war die Entscheidung richtig. Dein Platz im Team? Welche Rolle bekommst du vom Coach? Normalerweise spiele ich immer in der ersten Linie, in der ersten Powerplay-Einheit und auch in Unterzahl. Bei kritischen Situationen bin ich eigentlich immer am Eis, entweder um Tore zu schießen oder zu verhindern. Ich bin einer von den älteren Spielern in der U18. Ich möchte daher ein Vorbild für die jüngeren sein, meinen Ehrgeiz zeigen und mithelfen, dass wir so viele Punkte und Spiele gewinnen wie möglich. Seit wann bist du in Schweden und wie darf man sich in Grums die Rahmenbedingungen (Training, etc.) vorstellen? Ich bin seit August in Grums. Hier sind alle Spieler in einem Hockeygymnasium untergebracht. Zwei Mal in der Woche haben wir in der Schule am Vormittag Training, Eis und Kraft. Vom Verein her jeden Tag. Wir stehen pro Tag einmal am Eis und trainieren einmal in der Kraftkammer. Pro Woche gibt es zwei Spiele. Im Vergleich zu Österreich ist das eine große Umstellung. Man ist ziemlich ausgelastet. …mit dem Resultat? In den letzten 1,5 Jahren habe ich mich um vieles verbessert. Sonst hätte die Sache hier auch keinen Sinn. Ein großer Schritt für mich war sich daran zu gewöhnen, dass es hier nur Vollgast gibt. Du musst immer kämpfen, sonst kommst du nicht mit. Wie lange wird Grums deine Eishockeyheimat sein? Mein Ziel ist nächste Saison wieder wo anders hinzukommen. Grums hat keine U20 in der höchsten schwedischen Liga. Ich möchte zu einem Elit-Club. Ich schaue mich daher im Moment ein wenig um. Auf jeden Fall bleibe ich in der schwedischen Nachwuchsliga. Was ist diese Saison mit Grums noch möglich? Da wir im Grunddurchgang die direkte Qualifikation nicht geschafft haben, dazu wäre ein Platz unter den ersten Vier nötig gewesen, müssen wir es über die Qualifikationsgruppe versuchen. Derzeit sind wir in unserer Gruppe mit 3 Punkten Rückstand hinter Sunne Zweiter. 6 Spiele stehen noch aus. Nur der Erste qualifiziert sich für die Playoffs. Es wird eine knappe Sache aber die Playoffs sind für uns noch immer möglich. März/April steht die U18-WM in Italien an. Mit Max Wilfan? Ich war bisher zweimal bei den Trainingslagern dabei. Beim kommenden Camp in Frankreich werden wir „Schweden“ K. Komarek und ich nicht im Kader sein. Der Trainer hat uns bereits beim letzten Trainingslager informiert. Ich weiß noch nicht ob ich im Kader bin aber mein Ziel ist es bei der U18-WM dabei zu sein und meinen Beitrag zu leisten. Es wird nicht leicht werden. Dänemark und Lettland sind große Namen. Sie sind schwer einzuschätzen und haben, soweit ich mich erkundigen konnte, sehr gute Mannschaften. Welche sportlichen Ziele steckst Du dir? Ich setze mir selten große und entfernte Ziele. Ich denke eher Schritt für Schritt. Als nächstes kommt die U18-WM und dann die nächstjährige U20-Saison in Schweden. Auf längere Sicht würde ich gerne in den schwedischen Eliteserien spielen. Natürlich ist Nordamerika auch immer eine Option. Im Moment ist es mir aber wichtig mich in den kommenden zwei Jahren in Schweden weiterzuentwickeln. Wenn es dann ein Angebot gibt kann es durchaus möglich sein, dass ich in die USA ins College wechsle. Das würde mir Spaß machen. Ich sage, wenn man die richtige Einstellung hat, ist alles möglich.

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