Salzburg nach Shutout in Villach mit einer Hand am Meisterpokal

Dienstag, 03.April 2007 - 21:21
VSV 06/06, Finale RBS Eisenbauer.com

Nur noch ein Sieg fehlt den Red Bulls Salzburg zum erstmaligen Meistertitel. Die Mozartstädter setzten sich im vierten Finale beim VSV mit 3:0 durch und stellten in der Best of Seven Serie auf 3:1, können am Donnerstag den Titel fixieren. Das befürchtete Skandalspiel in Villach fand nicht statt, die Partie verlief im fairen Rahmen und sollte ausnahmsweise keine weiteren Videoproteste aufwerfen.Ohne die gesperrten Gauthier und Stewart auf Seiten Villachs und den ebenfalls gesperrten Trattnig bzw. den verletzten Artursson gingen die beiden Kontrahenten in Finale Nummer 4. Im Vorfeld hatte man nicht nur eine heiße Partie im Hexenkessel von Villach erwartet, sondern sogar Schlimmstes befürchtet. Die gute Nachricht nach den 60 Minuten in Kärnten: die Partie wurde ohne Probleme absolviert und die Entscheidung wurde am Eis gesucht.

Anders als erwartet begann das vierte Finalspiel ohne großes Feuer. Fast schaumgebremst starteten beide Teams in die Partie, waren darauf bedacht, die Emotionen außen vor zu lassen und vor allem unnötige Strafen zu vermeiden. So dauerte es einige Zeit, bis das Spiel etwas an Fahrt aufnahm, so richtig mitreißend werden sollte es aber lange nicht. So kam die Führung der Gäste aus Salzburg in der 8. Minute eher überraschend. Nach einem missglückten Koch Haken kam die Scheibe zu Gregor Hager, der für den gesperrten Trattnig in die 1. Linie der Mozartstädter aufgerückt war, dieser verwertete seinen eigenen Nachschuss aus spitzem Winkel zum 1:0.

Aber auch nach diesem Treffer änderte sich herzlich wenig: die Salzburger kontrollierten aus einer gesicherten Defensive heraus in der Fremde das Spiel, die Hausherren wirkten stark gehemmt und schwächten sich zudem in weiterer Folge verstärkt mit Strafen. Auch im Mittelabschnitt waren die Gäste dem zweiten Treffer näher als der Titelverteidiger dem Ausgleich. Das eigentlich erwartete emotionsreiche Duell wurde immer unterkühlter und die Villacher Fans mussten weiter auf einen Treffer ihrer Mannschaft warten. Der VSV wirkte vom Spiel der Salzburger fast eingeschläfert, konnten kaum Impulse nach vorne setzen und taten sich beim Spielaufbau sehr schwer.

Im letzten Drittel änderte sich zumindest das Feuer im Spiel etwas. Je näher die Schlusssirene kam, umso abwechslungsreicher wurde die Partie, erreichte aber nie das spielerische Niveau der bisherigen Duelle. Der VSV lief auch im Power Play gegen die gut in Unterzahl organisierten Bullen dem knappen Rückstand ohne Erfolg nach und langsam machte sich Frust breit.

Dieser stieg bei den Hausherren ins Unermessliche, als Juha Lind in der 53. Minute im Power Play das 2:0 erzielte und die vermeintliche Vorentscheidung schaffte. Die Adler waren nun unter Druck, konnten aber keinen Gang mehr zulegen. Man war bemüht, rannte gegen die gut gestaffelt stehenden Salzburger aber meist ohne Erfolg an. Die Sekunden tickten vom Scoreboard nichts deutete darauf hin, dass den Draustädtern noch einmal eine Trendwende gelingen sollte. Selbst ein Time Out von Gert Prohaska und die Herausnahme von Gert Prohaska sollte für den Titelverteidiger nichts mehr ändern. Im Gegenteil: die Gäste erhöhten wenige Augenblicke vor Ende mit einem Empty Netter zum 3:0 und feierten einen unglaublich wichtigen Sieg.

Reinhard Divis konnte seinen zweiten Shutout in dieser Saison feiern und war mit seinen Salzburgern über 60 Minuten das klar bessere Team. Die Villacher wirkten müde, konnten nie das gewohnte Feuer und den erwarteten Kampfgeist an den Tag legen und waren vor dem Tor viel zu harmlos. Die Salzburger schienen nach dem 1:0 das Geschehen nach Belieben zu kontrollieren, verpassten es aber lange Zeit, die Führung weiter auszubauen. Die Adler hatten aber an diesem Abend nicht die Kraft, irgendetwas zu bewegen. Vielleicht waren die Ausfälle von Stewart und Gauthier sowie die sichtlich angeschlagenen Edgerton und Hohenberger zu viel an Vorgaben für den Titelverteidiger.

Bei den Salzburgern konnte man den Ausfall des gesperrten Trattnig gut kompensieren und durch das kaum vorhandene Offensivspiel des VSV stand auch die Verteidigung der Mozartstädter kaum unter Druck, um Artursson zu vermissen. Am Ende feierten die Bullen einen verdienten Sieg und nun fehlt nur noch ein Erfolg für den ersten Bundesligatitel in der Vereinsgeschichte.

Enttäuscht zeigte sich der durch einen eingeklemmten Nerv angeschlagene Villacher Verteidiger Oldie Herbert Hohenberger: „Wenn man in einem Finale zu Hause kein Tor schießt, darf man sich nicht wundern, wenn man verliert. Der Biss war heute nicht so vorhanden, dass wir vielleicht noch einmal etwas erzwingen konnten. Wir müssen die Partie jetzt abhaken und uns auf Donnerstag konzentrieren. Jetzt heißt es in zwei Tagen wieder alle angeschlagenen fit zu bekommen und uns durchbeißen.“
Salzburg Trainer Hardy Nilsson zeigte sich nach dem Sieg bereits fokussiert auf das vielleicht entscheidende fünfte Finale: „Es war heute nicht einfach, hier zu gewinnen. Es stand lange genug nur 1:0 für uns, wir haben zwei Mal ein 5 gegen 3 vergeben und nicht gut gespielt. Am Ende waren wir etwas besser drauf als die Villacher. Die Meisterschaft ist aber erst entschieden, wenn wir den vierten Sieg haben. Auch in Salzburg war es sehr knapp in den ersten beiden Matches und das wird am Donnerstag nicht anders. Die Mannschaft ist gut eingestellt für dieses Play Off und weiß um was es geht.“

VSV Stürmer Wolfgang Kromp blickte nach dem Spiel ebenfalls bereits wieder nach vorne: „Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute gekämpft, haben aber zu leichte Tore bekommen. Wir selbst sind nicht so richtig vors Tor gekommen. Die Salzburger sind hinten recht gut gestanden und haben auf Konter gespielt. Am Donnerstag müssen wir noch mehr Zug zum Tor haben und die Salzburger hinten beschäftigen. Die Partien sind eng und am Donnerstag geht es für beide um viel. Wir werden alles oder nichts spielen und alles geben.“

Salzburgs Kapitän Dieter Kalt war sehr zufrieden mit dem Sieg: „Wir haben heute ausgezeichnet gespielt, sehr diszipliniert gespielt und alles richtig gemacht. Villach ist eine Mannschaft, die immer kämpft und es war ein gutes Eishockeyspiel von beiden Seiten. Herauszuheben ist die ausgezeichnete Schiedsrichterleistung von beiden Seiten.“

VSV Trainer Greg Holst analysierte die Niederlage trocken: „Wir haben nicht so viele Chancen gehabt, unsere Kraft heute war nicht optimal. Wir hatten nur 3 oder 4 sehr gute Tormöglichkeiten, Salzburg hat aus wenigen Chancen die Tore gemacht. Das war der einzige Unterschied. Unser Tank war heute ziemlich leer, es war immerhin das vierte Spiel innerhalb weniger Tage. Unsere Top Leute sind sehr viel am Eis, aber Salzburg hat heute verdient gewonnen – keine Ausreden! Wir müssen am Donnerstag 60 Minuten gut in der Defensive spielen und in der Mittelzone kompakter stehen, dann haben wir eine gute Chance. Es ist nicht aus, bis es aus ist. Salzburg muss das vierte Spiel auch erst gewinnen und wir fahren auch dort hin, um zu gewinnen. Kein Spiel ist einfach, auch nicht für Salzburg.“

Eventuell kommt es noch vor dem Donnerstagsspiel zu einem Tauschvorgang: VSV Stürmer Edgerton wirkte stark angeschlagen und man wird sich auf Seiten der Villacher nun mit dem Spieler und den Ärzten kurz schließen, wie es mit dem Angreifer weiter geht. Eventuell kommt noch Ivo Jan zu den Adlern.

EC Pasut VSV - EC Red Bull Salzburg 0:3 (0:1,0:0,0:2)
Zuschauer: 4.500
Referees: HASCHER A.; ERD U., HÜTTER A.
Tore: HAGER G. (07:32 / KOCH T., KASPER P.), LIND J. (52:27 / BANHAM F., PEWAL M.), BEZINA G. (59:41 / KALT D.)
Goalkeepers: PROHASKA G. (59 min. / 36 SA. / 2 GA.) resp. DIVIS R. (60 min. / 28 SA. / 0 GA.)
Penalty in minuten: 20 resp. 18

Die Kader:
EC Pasut VSV: BOUSQUET D., BROWN M., EDGERTON D., ELICK M., HOHENBERGER H., KASPITZ R., KROMP W., KÜHN G., LANZINGER G., ORAZE M., PEINTNER M., PETRIK B., PETRIK N., PFEFFER T., PROHASKA G., RAFFL M., RAFFL T., SCOVILLE D., SLIVNIK D., STARKBAUM B., TOFF N.

EC Red Bull Salzburg: BANHAM F., BEZINA G., DIVIS R., ERIKSSON M., GRABHER MEIER M., HAGER G., HARAND P., HENDRICKSON D., KALT D., KASPER P., KOCH T., LAINER J., LAKOS A., LIND J., LINDGREN V., PEWAL M., PEWAL M., PINTER P., PITTL S., SCHWAB M., ULRICH M.

Finale (Best of Seven):
EC Red Bull Salzburg - EC Pasut VSV 3:1 (2:0, 3:4 n.P., 6:3, 3:0)

Quelle: