Kaderbewertung: HCI - zahnlose Haie oder wilde Raubtiere?

Montag, 04.September 2006 - 9:39
Gigantischer Haikopf beim Einlauf der Spieler, Hockeyfans.at/Reinhard Eisenbauer

Im vierten Teil der HF.at Kaderbewertung widmen wir uns dem HC Innsbruck. Die Tiroler, in der letzten Saison nach hochdramatischem Serienverlauf gegen den späteren Meister Villacher SV nur ganz knapp im Halbfinale gescheitert, gelten vor der neuen Spielzeit als der große Verlierer des Sommers. Man startet lediglich als großer Außenseiter in die EBEL und will trotzdem ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Play Off Plätze geht.Die vergangene Saison war für den HC Innsbruck eine Berg- und Talfahrt. Als Mitfavorit ging man in die Meisterschaft und schien diese Erwartungen auch erfüllen zu können. Bis zum Jahreswechsel war man eines der dominierenden Teams in der Liga und man musste von Seiten der anderen 6 Mannschaften fast schon Angst haben, ob man die Haie überhaupt aufhalten können würde. Doch dann kam der große Einbruch und plötzlich verlor man Spiel um Spiel, Punkt um Punkt und rutschte gegen Ende der Saison immer mehr in den Kampf um den Play Off Strich.

Am Ende reichte es doch knapp für das Halbfinale, in dem man dem VSV einen spannenden und ausgeglichenen Kampf lieferte. Die Innsbrucker verabschiedeten sich hoch erhobenen Kopfes aus den Play Offs und man konnte schließlich doch sehr zufrieden mit dem Erreichten sein.

Dann kam der Sommer und die Haie schienen die Transferzeit total zu verschlafen. Man musste wichtige Spieler abgeben und besetzte sie kaum adäquat nach. Kein Wunder, dass man in der Erste Bank Eishockey Liga als der große Verlierer des Sommers „gehandelt“ und allgemein in den hinteren Tabellenregionen erwartet wird.

Hockeyfans.at Prognose:
Der Kader der Haie aus Innsbruck hat sich im vergangenen Sommer einigen grundlegenden Veränderungen unterzogen. So musste man nicht nur einen Leistungsträger abgeben, sondern für die neue Saison gleich mehrere wichtige Cracks ersetzen, was nur zum Teil gelungen ist. Insgesamt scheinen die Tiroler tatsächlich eine qualitative Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr hinnehmen zu müssen und sich als einziges Team gegenüber der Vorsaison etwas verschlechtert zu haben.

Spielertypen wir Martin Hohenberger, Desmarais, Divis, Pusnik usw. kann man nicht so einfach ersetzen. Vor allem die Abgänge der Österreicher schmerzt hier besonders, denn auf Grund der starken Begrenztheit des Spielerpotentials können derartige Spieler nicht einfach so ersetzt werden.

Auch bei den Legionären hat man „ausgemistet“ und sich erneut nach frischem Blut umgesehen, was bei so manchem Beobachter für Kopfschütteln sorgt, da man im Vergleich zu den „Neuen“ keine wirklich großen Unterschiede erkennen kann. Dem scheint auch Trainer Haworth zuzustimmen, denn kein anderes Team der EBEL hat bereits so viele Try Out Spieler zu Gast gehabe und wieder nach Hause geschickt. Noch immer ist nicht genau fixiert, wer die Legionärsposten im heiligen Land besetzen wird.

Die kommende Saison wird für die Haie eine sehr schwierige. Die Liga hat sich weiterentwickelt, man selbst scheint einen Schritt zurück gemacht zu haben. Das unfairste Team der Liga war man schon in der letzten Saison, die neue Spielzeit wird schon bei den Tests hart angegangen und mit der neuen Regelauslegung könnten die Innsbrucker da noch mehr Probleme bekommen. Auf der Strafbank gewinnt man keine Partien und mit Spielern wie Lindner oder Elik wird es da doppelt schwer, da beide für ihre Ausraster bekannt sind.

Insgesamt hat sich der Kader nicht weiterentwickelt, sogar zumindest den Namen nach sogar verschlechtert. Die Haie haben am Transfermarkt jene Spieler geholt, die noch zu haben waren und müssen nun auf ihr Glück bei der Wahl der Transferkartenspieler hoffen.

Dennoch bleibt der Beigeschmack, dass sich die Konkurrenz deutlich weiterentwickelt hat und man selbst nicht einmal die Spielstärke der letzten Saison erreichen dürfte. Da wirken Zielvorgaben wie „Play Offs“ oder gar „Verbesserung gegenüber dem Vorjahr“ doch sehr hoch gegriffen. Schon in der letzten Saison hat man das Schicksal zu oft herausgefordert und die Mannschaft körperlich an die Leistungsgrenzen geführt, da man oftmals nur mit 2 ½ Linien gespielt hat. Das kann man sich dieses Jahr nicht wirklich leisten, die Liga ist enger und härter geworden, das Programm noch länger und intensiver. Verletzungen sind da vorprogrammiert, umso mehr, je weniger Linien man einsetzt und dadurch die Führungsspieler überbelastet.

Doch der Kader der Haie ist erneut nicht tief genug besetzt, um vier schlagkräftige Reihen aufbieten zu können. Dafür könnten die Nachwuchscracks ihre Chance bekommen, was sehr positiv zu bewerten wäre. Wenn man mit weniger Erfolgsdruck in die Saison startet, kann man auch entsprechend öfters mit jungen Cracks agieren und diese an die Bundesliga heranführen. Zu mehr als mit viel Glück um die Play Off Ränge zu kämpfen wird es aber aller Voraussicht nach nicht reichen. Dazu fehlt die Breite im Kader.
Hockeyfans.at Prognose: Rang 7 – 8

Kaderbewertung HC Innsbruck:

Torhüter:
Das Torhütergespann ist bei den Tirolern das alte geblieben. Man vertraut weiterhin auf die Dienste von Claus Dalpiaz und Backup Fabio Gottardis. Dalpiaz wird weiterhin den Großteil der Spiele im Tor stehen und nur selten Gottardis Platz machen. In der letzten Spielzeit hat nur Gert Prohaska mehr Minuten im Tor gestanden als Dalpiaz – und nur zwei Goalies haben mehr Gegentore bekommen…
Dabei war die Nummer 1 bei den Haien nach Ablauf der letzten Saison nicht immer unumstritten und pokerte lange um einen neuen Vertrag. Zu oft hatte er vor allem in den Play Offs Ausraster und griff nicht nur ein Mal daneben. Dafür ist Dalpiaz aber bekannt: an guten Tagen kaum zu überwinden, an schlechten für Fehlgriffe immer zu haben. Es fehlt im oft an der nötigen Konstanz und der Leistungsfähigkeit über eine ganze Saison hinweg. Vieles wird da auch auf die Verteidigung der Haie ankommen und inwieweit man den Druck von ihm nehmen kann.
Als Backup fungiert weiterhin Fabio Gottardis, der durchaus in der Lage ist, diese Rolle zu übernehmen. In seinen bisherigen Bundesligaeinsätzen hat der Torhüter immer gute Leistungen gezeigt – man kann sich auf ihn verlassen. Nur Druck konnte er bislang noch nicht auf Dalpiaz ausüben, was diesen vielleicht etwas anspornen würde. Dafür kommt aus dem eigenen Nachwuchs etwas nach. Mit dem jungen Andreas Luchner wächst jemand heran, der Gottardis durchaus in Zukunft fordern könnte.
Wertung: 3 von 5 Punkten

Verteidigung:
In der Defensive hat man mit Gerhard Unterluggauer einen der offensivstärksten Verteidiger der Liga halten können. Er war in der letzten Saison der viertbeste Scorer der Innsbrucker und damit so etwas wie ein zusätzlicher Stürmer. Auch Sven Klimbacher entschied sich nach vielen anders lautenden Gerüchten, doch noch in Tirol zu bleiben. Der Verteidiger ist hinten ein grundsolider Mann, der auch vorne für Scorerpunkte gut ist. Dazu gesellt sich mit Michael Holst ein junger, talentierter Verteidiger, der es in der letzten Saison in die Stammformation geschafft hat. Weiters vertraut man in der Defensive weiterhin auf Florian Schwitzer und Florian Stern, die beide bundesligaerfahren sind und jetzt vermutlich verstärkt in die Verantwortung genommen werden.
Ganz wichtig werden in der neuen Saison auch die Legionäre in der Defensive sein. Mit dem Finnen Jussi Heikkinen war man zumindest am Anfang von Seiten der HCI Fans nicht wirklich zufrieden, zumindest in den Testspielen war der Verteidiger aber eine der positiveren Überraschungen. Ansonsten hat man noch immer zwei Legionärsposten nicht vergeben und wird diese wohl in der Defensive besetzen. In den letzten Wochen hatte man mit gerade diesen Transferkartenspielern kein wirkliches Glück und nur wenn man hier wirklich Qualität an Land ziehen kann, wird man konkurrenzfähig sein. Vor allem defensiv ausgerichtete Spieler wären gefragt…
Wertung: 3 von 5 Punkten

Angriff:
Der Aderlass bei den Haien zieht sich auch in den Sturm hinein. Mit James Desmarais hat man den kongenialen Sturmpartner von Todd Elik abgeben müssen, der immerhin bester Torschütze der Tiroler gewesen ist. Da wird Neuzugang Carl Mallette einiges vorgesetzt und man darf gespannt sein, wie er die Erwartungen erfüllen kann. Mit dem Italo-Kanadier Christian Sbrocca weiß man noch nicht wirklich, wie gut man sich verstärkt hat. Dieser ist verletzt und konnte bislang noch nicht viel zeigen. Ebenfalls neu im Kader des HCI ist Heimo Lindner. Noch ein schwieriger Charakter, der aber bei den Tirolern wohl seine wirklich letzte Chance in der Bundesliga bekommt. Daher muss er Leistung zeigen und seine berüchtigten Aussetzer zurückschrauben. Für gute Leistungen ist auch Thomas Auer normaler Weise zu haben. Er wurde von den Salzburgern ausgeliehen und hat mit Sicherheit großes Talent. Leider konnte er das zuletzt nur selten zeigen, da er viel auf der Bank gesessen ist, aber er hat ebenfalls etwas zu beweisen und sollte entsprechend motiviert sein. Inwieweit die beiden aber die sicher schmerzhaften Abgänge von Martin Hohenberger, Andreas Pusnik (beide immerhin unter den Top 4 Scorern der Haie) und dem wichtigen Defensivcenter Raimund Divis auffangen können, darf bezweifelt werden.
Dazu hat man zumindest einen Teil der Angriffsformation halten können. Wichtigstes Glied dabei ist mit Sicherheit der Anführer des HCI, Todd Elik. Ein genialer Spielmacher, der seine Augen überall zu haben scheint und wie kein anderer in der Liga die Scheiben verteilen kann. Nicht selten übertreibt es der Exzentriker am Eis aber und war daher nicht umsonst die Nummer 2 unter den „bösen Buben“. Auch Tavis Hansen kann sich in dieser unrühmlichen Wertung in den Top 10 der letzten Saison wieder finden. Er ist nicht der große Goalgetter, sondern eher jener Spieler der Räume schaffen soll. Zu diesen Leistungsträgern kommen noch bekannte Spieler aus den hinteren Reihen wie Mössmer, die beiden Schönbergers, Höller, Schwitzer oder Müller, sowie junge Hoffnungsträger a la Luchner, Niederist und Praty.
Der Sturm ist durchaus schlagkräftig, wenngleich er einiges an Punshing Power verloren hat. Jetzt müssen andere die Verantwortung übernehmen und nur wenn das gelingt, wird man hier auch über die Saison gesehen mithalten können.
Wertung: 3,5 von 5 Punkten

Trainer:
Ein schwieriges Amt hat Coach Alan Haworth über. Der Kanadier sitzt auf einem Schleuderstuhl, denn wenn die Tiroler tatsächlich wie allgemein erwartet nur hinten mitspielen werden, dann ist der Trainer immer der erste, der gehen muss. Haworth ließ in der letzten Saison vor allem den Mut zum Risiko vermissen, vertraute zu sehr auf seine beiden besten Linien und powerte diese damit vollkommen aus. Zum Jahreswechsel schien man auf einer unaufhaltsamen Talfahrt, die aber gerade noch gestoppt werden konnte. Es rankten sich lange Zeit die Gerüchte, dass nicht der Trainer, sondern einzelne Spieler das Sagen beim HCI hätten und genau diese Schwächen kann man sich in einer derart engen Liga langfristig nicht leisten. Ebenfalls einzudämmen werden die vielen Strafen der Haie sein. In der letzten Saison war man das mit Abstand unfairste Team der Liga und auch in den ersten Tests agierte man viel zu strafenanfällig. Gerade mit der neuen, noch genaueren Auslegung der Regeln wird man so mit Sicherheit nicht bestehen können.
Wertung: 3 von 5 Punkten

Gesamtwertung: 12,5 von 15 Punkten

Bisherige Wertungen:
1. Black Wings Linz 16 Punkte
2. Graz 99ers 14,5 Punkte
2. HK Jesenice 14,5 Punkte
4. HC Innsbruck 12,5 Punkte

Quelle: