28.12.2015, Albert Schultz Halle, Wien, AUT, EBEL, UPC Vienna Capitals vs EC VSV, 36. Runde, im Bild Ruslan Lenarovich Gelfanov (EC VSV) und Troy Milan (Vienna Capitals) // during the Erste Bank Icehockey League 36th round match between UPC Vienna Capitals and EC VSV at the Albert Schultz Halle in Vienna, Austria on 2015/12/28. EXPA Pictures © 2015, PhotoCredit: EXPA/ Alexander Forst EXPA/ Alexander Forst

Die HF.at Play Off Vorschau: Vienna Capitals - VSV



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Mittwoch, 24.Februar 2016 - 8:11 - Wenn die Vienna Capitals ab Freitag auf die Villacher Adler treffen, so ist dies auf dem Papier als Duell zwischen der Nummer 3 und der Nummer 7 der EBEL eine klare Angelegenheit. Aber halt – so klar ist das gar nicht, darf man einen Klassiker im Viertelfinale erwarten?

Vienna Capitals (3) – VSV (7)
Saisonbilanz: 2:2 Siege, 7:5 Punkte, 8:9 Tore

Was zwei Pünktchen ausmachen können. 2 Punkte mehr als der VSV hatten die Vienna Capitals nach der ersten Meisterschaftsphase am Konto – für die Wiener bedeutete das die Pick Round, für die Villacher den Gang durch die Qualifikation. Noch ärgerlicher für die Kärntner: am Ende war es sogar nur ein Punkt, den man als Tabellensiebter hinter den Top 6 lag. 10 Spiele später ist das alles schon wieder vergessen, denn die Adler flogen ins Viertelfinale, gewannen von diesen letzten zehn Partien acht und überzeugten mit einem Torverhältnis von 34:15.

Aber nicht nur die Villacher werden sich ein wenig ärgern, auch die Vienna Capitals tun dies. Weil sie am letzten Spieltag in den letzten vier Minuten einen Sieg in Linz aus der Hand gegeben haben, endeten sie auf Rang 3 in der Pick Round. Das bedeutete für den Play Off Pick, das man am Ende nur noch zwischen Übel 1 und Übel 2 auswählen konnte. Eigentlich hätten die Wiener ganz gerne gegen den KAC gespielt, der ihre Nummer 1 Option war. Dann war auch noch Bozen weg und es blieb nur noch die wenig vorteilhafte Wahl zwischen dem VSV und den Black Wings. Auf Grund der sehr schwachen Saisonbilanz gegen die Oberösterreicher entschied man sich dann im Lager des Boni-Teams für den VSV.

Zur Freude vieler Experten, denn dieses Viertelfinale wird allgemein als jenes angesehen, welches das Potential zu einem echten Klassiker hat. Vor zwei Jahren standen sich die beiden Mannschaften schon einmal in den Play Offs gegenüber, damals setzten sich die Villacher mit 4:1 durch, um dann aber im Halbfinale am späteren Sensationsmeister aus Bozen zu scheitern. Und obwohl die Kärntner durch die Knochenmühle der Quali mussten, gehen sie voller Selbstvertrauen in dieses Duell. Das liegt auch an Greg Holst, der exakt 10 Jahre nachdem er mit den Draustädtern den letzten Meistertitel gefeiert hat, wieder frischen Wind und vor allem Struktur in das Spiel der Adler gebracht hat.

Damit wären wir auch schon bei den Trainern: Jim Boni gegen Greg Holst, da kommt bei allen Eishockeyfans Freude auf. Zwei alte Haudegen, die vor allem eines können: ihre Teams motiveren! Jim Boni hat das letzte Saison als „Feuerwehrmann“ bewiesen und die Capitals nach katastrophalen Leistungen bis zu seiner Übernahme noch bis ins Finale geführt. Heuer starteten die Wiener nicht besonders gut, seit gut zwei Monaten geht es aber nicht nur spielerisch bergauf, sondern auch das Team selbst scheint sich deutlich besser gefunden zu haben und agierte in den letzten Partien als beeindruckende Einheit. Die Handschrift von Jim Boni ist schon wieder zu sehen – hier spielt ein Team, das nicht durch Einzelspieler glänzt, sondern als Einheit auftritt und von der ersten bis zur vierten Linie bereit ist, alles zu geben.

Diesen bedingungslosen Einsatz fordert Greg Holst auch von seinem VSV. Die Adler sind personell nicht so tief besetzt wie die Capitals und besitzen bei weitem nicht jene Routine, wie sie im Kader der Hauptstädter zu finden ist. Aber im Vergleich zu früheren Jahren ist man auch nicht mehr so einfach auszurechnen, denn die Offensive ist etwas breiter aufgestellt, das Toreschießen verteilt sich auf mehrere Schultern. Einen Top-Torjäger sucht man vergeblich: Rick Schofield liegt mit seinen 17 Toren als bester Adler-Torschütze gerade noch in den Top 20, Ziga Pance schafft es als bester Punktesammler in der Scorerliste noch nicht einmal unter die Top 30. Aber man hat insgesamt sieben Spieler im Kader, die mehr als 10 Tore erzielen konnten. Was den Kärntnern allerdings etwas abgeht ist die Gefahr von der blauen Linie. Gerhard Unterluggauer war lange Zeit verletzt und spielt auch nicht mehr die offensive Rolle, wie er es in der Vergangenheit gemacht hat. Der punktebeste Verteidiger ist Ryan McKiernan mit 5 Toren und 20 Assists.

Da sind die Hauptstädter schon besser aufgestellt: sie haben auch nur sieben Spieler, die über die Zehntoremarke gekommen sind, aber ihre Verteidiger mischen offensiv deutlich mehr mit. Auch sonst ist man deutlich breiter aufgestellt und kann bis in die vierte Angriffslinie torgefährlich sein. Dass man darüber hinaus bereits die gesamte Saison über jene Hintermannschaft stellt, welche die wenigsten Gegentore zulässt wird in den Play Offs womöglich einen entscheidenden Unterschied ausmachen.

Bei den Torhütern sieht die Sache etwas anders aus, denn hier haben die Villacher Adler ihren „Difference-Maker“ im Team. J.P. Lamoureux ist eine bekannte Größe im VSV Tor und kann Spiele im Alleingang entscheiden. Seine Fangquote hat sich naturgemäß in der Qualifikationsrunde wieder etwas gefestigt, mittlerweile steht der Villacher Schlussmann in der Torhüterwertung auf Rang 3. Rein statistisch steht Capitals Schlussmann Nathan Lawson zwar nur um ein paar Zehntelprozent dahinter, dem Kanadier werden aber immer wieder Unsicherheiten und schlechte Entscheidungen vorgeworfen. Das kann sich in einer zu erwartenden engen Serie rächen.

Beide Mannschaften bevorzugen ein robustes und körperlich sehr präsentes Spiel, kampfbetont und mit viel Einsatz. Es wird auch eine Frage der Physis werden, welche Mannschaft sich durchsetzen kann. Beim VSV heißt es jetzt vor allem einmal, sich wieder schnell an das ohne Zweifel höhere Niveau anzupassen. Nichts gegen die Quali-Runde, aber im Vergleich zur Pick Round sind die Gegner doch deutlich einfacher gewesen, das Tempo war niedriger und der Druck auf die Villacher Hintermannschaft überschaubar. Das wird sich nun schlagartig ändern, denn mit den Capitals wartet eine Mannschaft, die in den letzten Wochen die Schlagzahl deutlich erhöht hat und als Vizemeister zum erweiterten Favoritenkreis um den Titel gezählt werden kann.

Vor zwei Jahren haben sich die Capitals den VSV ebenfalls ausgesucht, damals wurde man dafür bestraft. Heuer sind die Emotionen vor diesem Duell deutlich weniger, auch das Picken ist inzwischen zur (für viele ärgerlichen) Routine geworden und eher für Fans und Medien ein Aufreger. Dieses Mal ist es ein Duell der routinierten Wiener, deren Leistungsträger fast durch die Bank die 30 schon überschritten haben, mit einem jungen und was Play Off Erfahrung seiner Spieler betrifft auch unerfahrenen VSV. Der Kader der Capitals ist tiefer besetzt, beide Teams hatten zuletzt deutlich aufsteigende Form. Der große Pluspunkt beim VSV steht im Tor, beide Mannschaften greifen gerne zu einem ähnlichen Spielstil und haben zwei große Motivatoren auf der Trainerbank. Alles in allem schreit das geradezu nach einer langen und kräftezehrenden Serie. Am Ende dürfte sich dann aber doch die Routine durchsetzen.
Hockeyfans.at Prognose: Vienna Capitals in 7 Spielen

Die Termine des Duells:
Fr, 26.02.2016 (19:15): Vienna Capitals (3) – VSV (7)
So, 28.02.2016 (17:40): VSV – Vienna Capitals
Di, 01.03.2016 (19:15): Vienna Capitals – VSV
Fr, 04.03.2016 (19:15): VSV – Vienna Capitals
*So, 06.03.2016 (17:30): Vienna Capitals – VSV
*Di, 08.03.2016 (19:15): VSV – Vienna Capitals
*Fr, 11.03.2016 (19:15): Vienna Capitals – VSV

*...falls notwendig

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Quelle:red/KF