Dolomitencup

Kaderbewertung: Wie weit nach oben beißen die Haie?



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Dienstag, 28.August 2007 - 22:04 - Nach einer mehr als nur enttäuschenden Saison hat der HC Innsbruck gehörig aufgeräumt. Der Kader wurde aufgeforstet, eine neue Mischung gesucht. Scheinbar erfolgreich, denn kein anderes Team vermag derzeit in den Tests so zu überzeugen wie die Tiroler. Jetzt stellt sich die Frage, ob sie das auch in der Liga beibehalten können. Wo darf man die Haie erwarten?Enttäuschend – mit diesem Wort fassen Fans, Medien und auch die Verantwortlichen die vergangene Saison des HC Innsbruck zusammen. Die Haie suhlen sich nun aber nicht im Selbstmitleid und haben auf die Probleme reagiert. Kein Stein blieb im Tiroler Kader auf dem anderen, gleich 10 Spieler haben die Mannschaft verlassen. Vor allem Mastermind Todd Elik wird ob seiner genialen Erscheinung am Eis nicht nur den Innsbrucker Fans fehlen. Sportlich gab es am "Mann mit den tausend Augen" auch wenig auszusetzen, nur abseits des Eises waren seine Eskapaden offenbar nicht mehr verantwortbar.

Dazu haben auch die Legionäre Hansen, Heikkinen, Liwing, Lecompte und Mallette kein zu Hause mehr in der TIWAK Arena. Den bahnbrechendsten Wechsel gab es aber im Tor, wo "Inventar" Claus Dalpiaz auf Grund der Neuorientierung keinen Platz mehr hatte.

Aufgrund der zahlreichen Abgängen hatte das Management des HCI alle Hände voll zu tun. Relativ früh gab man die Verpflichtung eines sportlichen Leiters bekannt, dem Schweden Patrik Aronsson. Dieser hat eine Eishockeyvergangenheit in Österreich: er gehörte zur legendären VEU-Truppe, die Europacup-Sieger wurde. Neben seiner Position als Alleinverantwortlicher im sportlichen Bereich ist Aronsson Inhaber einer Spieleragentur. Durch die Besetzung des sportlichen Leiters soll beim Verein mehr Professionalität einkehren, die in der Vergangenheit vermehrt gefordert wurde.

Bislang machen die Haie eine gute Figur und der Kader scheint schlagkräftig zu sein. Der Abgang von Todd Elik wurde mit Craig Darby zwar sicherlich nicht gleichwertig aber doch annähernd gut besetzt – sofern der Stürmer die in der DEL oft vermisste Leaderqualität bei den Haien an den Tag legen kann. Daneben hat man noch immer so Kaliber wie Dagenais und neu auch Oldie Herbert Hoheneberger.

Einzig die Kadertiefe lässt beim HCI noch etwas zu wünschen übrig. Baute man in den letzten Jahren schon auf nur zwei gute Linien hat man im Vergleich zur Konkurrenz auch in der neuen Saison noch nicht die gewünschte Durchschlagskraft bis in die dritte oder gar vierte Linie. Laut HF.at Informationen wollen die Tiroler daher auch noch handeln und planen offenbar Nachjustierungen mit ein bis zwei weiteren ausländischen Spielen.


Hockeyfans.at Prognose:
Der HCI, das war in den letzten Saisonen oftmals jenes Team, das einen Blitzstart hinlegte und um die Jahreswende körperlich so nachließ, dass man auch in der Tabelle zurückfiel. Das wollen die Innsbrucker in der neuen Saison vermeiden und haben ihren Kader mit einer kräftigen Budgeterhöhung aufgebessert.

Dass die Mannschaft Potential hat zeigt ein Blick auf die Testspielergebnisse der Haie. Doch es gab schon andere Mannschaften, die in der Vorbereitungsphase ausgezeichnet waren und schließlich in der Liga in den hinteren Regionen landeten. Wirklich wichtig wird es ab 21. September und hier wird sich zeigen, ob die Mannen aus dem heiligen Land ihre Hausaufgaben gemacht haben – und das nicht nur bis Jänner.

Der Blick der Haie ist stark nach oben gerichtet, die Tiroler wollen endlich wieder zu Raubfischen werden und um den Titel mitspielen. Das ist aber noch Zukunftsmusik, denn auch für den HCI wird die Saison hart und lange. Daher scheint der aktuelle Kader auch zu wenig tief besetzt, um eventuelle Ausfälle adäquat kompensieren zu können.

Ähnlich der Stimmung in der TIWAK Arena wirkten die Innsbrucker oftmals unterkühlt, das Feuer vermochte nicht so recht überzuspringen. Vielleicht schafft es Coach Cortina, ein Feuerwerk in den Tiroler Bergen zu zünden und zum Angriff zu blasen.

Insgesamt hat man beim HCI hohe Erwartungen an die neue Saison – die haben aber auch 9 andere Teams. Mit dem bestehenden Kader kann man mit den Play Offs rechnen, ob man vielleicht sogar um den Titel mitspielen kann, muss abgewartet werden. Da gibt es einige Teams, die besser und vor allem tiefer besetzt sind. Zwei gute Linien werden wohl zu wenig sein – auch wenn diese sehr gut sind...
Hockeyfans.at Prognose: Rang 3 – 7


Kaderbewertung HC Innsbruck: (Autor Alexander Geisler)



Torhüter:
Neuer erster Goalie im Tor des HCI ist Seamus Kotyk, der aus Jesenice kommt. Mit ihm konnte ein ausgezeichneter Goalie verpflichtet werden, der der Abwehr den notwendigen Rückhalt geben wird. Ein Mann, der alles kann und Spiele im Alleingang gewinnt. Doch Kotyk kommt mit der Geschichte von zahlreichen Verletzungen, die in den letzten Jahren verhinderten, dass er die Saisonen zu Ende spielen konnte.
Und wenn dieser Kotyk einmal verletzt sein sollte, dann wird es eng für die Tiroler. Als Backups holte man nach dem Karriereende von Fabio Gottardis zwei junge österreichische Tormänner - Manuel Schönhill und Matthias Haller. Beide werden sich wohl um die Position hinter Kotyk matchen und den ein oder anderen Einsatz bekommen. Das Risiko bei den Haien ist in diesem Bereich groß, spielt Kotyk aber die gesamte Saison ohne Verletzung durch, dann ist man top besetzt.
Wertung: 3,5 von 5 Punkten


Verteidigung:
Einer der Sensationstransfers dieses Sommers war die Verpflichtung des Villacher Urgesteins Herbert Hohenberger. Mit ihm kommt geballte Eishockeyerfahrung an den Inn. Herbie ist zwar schon ein wenig in die Jahre gekommen und hat dementsprechend an Schnelligkeit eingebüßt, aber mit seiner Erfahrung wird er vieles kompensieren können. Zusammen mit den altbewährten österreichischen Kräften Gerhard Unterluggauer und Sven Klimbacher, mit dem man den Vertrag verlängern konnte, stellt der HCI 3 sehr gute österreichische Verteidiger. Als sechster Verteidiger wird Florian Schwitzer zum Einsatz kommen, der letzte Saison sehr solide gespielt hat.
Beide Legiopositionen wurden neu vergeben. Mit Armin Helfer und Mario Larocque kommen zwei neue Spieler an den Inn. Armin Helfer ist ein wesentlicher Bestandteil der italienischen Nationalmannschaft, wo er auch vom neuen Trainer des HCI, Pat Cortina, schon trainiert wurde. Er gilt als sehr solider Verteidiger. Wenn man den Statistiken von Mario Larocque Glauben schenken darf, dann sieht der HCI in der heurigen Saison einen jungen, harten Verteidiger mit guten Scoringqualitäten. Für beide Verteidiger ist der HCI die erste Station im Ausland.
Mit der Verpflichtung von Herbie Hohenberger sowie den beiden neuen Legionären ist die Abwehr auf alle Fälle stärker geworden. Die HCI Defensive verfügt nun über drei gute Linien, was in den letzten Jahren nicht der Fall war. Und dahinter warten einige junge Spieler auf ihre ersten Einsätze.
Wertung: 4 von 5 Punkten


Angriff:
Nach dem Abgang des letztjährigen Topscorers der EBEL, Todd Elik war die Vertragsverlängerung mit Pierre Dagenais besonders wichtig. Dagenais kam Mitte der letzten Saison zum HCI und machte in 27 Spielen 57 Punkte. Wenn es ums Toreschießen geht, kann ihm kaum ein anderer das Wasser reichen. Jetzt muss der Kanadier seine Leistungen auch in der neuen Saison bestätigen.
Als Ersatz für Todd Elik holte man sich von den Augsburger Panthers Craig Darby. Der Amerikaner, der neben knapp 200 NHL-Spielen, in denen er 56 Punkte erzielen konnte, auch einige sehr erfolgreiche Saisonen in der AHL spielen konnte, war in der letzten Saison unter den Top10-Scorern der DEL. Mit ihm hofft man, einen Nachfolger für Todd Elik gefunden zu haben, der nicht nur auf dem Eis, sondern auch abseits des Eises zu überzeugen weiß. In der DEL hat Darby die Führungsqualitäten erst zu spät an den Tag gelegt, was oft kritisiert wurde. In Tirol muss er aber der neue Leitwolf werden.
Hier könnten ihm aber zwei andere Legionäre zur Seite stehen. Aus Jesenice kamen Jean-Philippe Pare und Thomas Razingar. Beide Spieler haben in der letzten Saison zusammen in der zweiten Linie von Jesenice gespielt und waren dort sehr erfolgreich. Pare ist ein harter Arbeiter, der aber auch Scorerqualitäten hat und dort hingeht, wo es weh tut. Mit Razingar kommt wohl einer der besten Eisläufer der Liga zum HCI.
Auf dem Österreichersektor wurde man nach den Abgängen von Höller und Mössmer aktiv. Hier holte man Martin Pewal von den Bullen sowie vom KAC Harald Ofner. Im Angriff kann der HCI nicht ganz mit der Qualität in der Abwehr mithalten. Aber die beiden ersten Linien werden sehr gut besetzt sein, man wird wohl im Laufe der Saison nachbessern in Form eines weiteren Legionärs.
Wertung: 4 von 5 Punkten


Trainer:
Nach dem Abgang von Larry Sacharuk nach Graz zu den 99ers, lies man sich beim HCI viel Zeit, bis man einen Nachfolger präsentierte. Schließlich gab man Pat Cortina, dem ein ausgezeichneter Ruf vorauseilt, das Vertrauen für die kommenden beiden Saisonen. Er arbeitete in letzter Zeit sehr erfolgreich in München und betreute parallel auch die ungarischen Nationalmannschaft, die er in die B-Gruppe führen konnte. Weiters war Cortina auch schon als italienischer Nationaltrainer engagiert. Cortina eilt ein guter Ruf voraus, hier muss man abwarten, wie er die in den letzten Saisonen nicht immer einfache Mannschaft in den Griff bekommt.
Wertung: 4 von 5 Punkten



Gesamtwertung: 15,5 von 20 Punkten

Bisherige Wertungen:
1. HC Innsbruck 15,5 Punkte
2. Graz 99ers 13,5 Punkte

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