ÖEHV Präsident Dieter Kalt sen. präsentiert den Meisterpokal Reinhard Eisenbauer, Hockeyfans.at

ÖEHV Präsident Kalt nimmt Stellung zur Legionärsdiskussion



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Freitag, 30.März 2007 - 11:35 - Jetzt hat sich auch der ÖEHV in die Diskussion um die Anzahl an Transferkarten bzw. Legionären für die kommende Saison eingeschaltet. Wie nicht anders zu erwarten hat der Präsident des Eishockeyverbandes, Dr. Dieter Kalt, den derzeitigen Tendenzen eine Abfuhr erteilt und will mehr Fokus auf den österreichischen Nachwuchs sehen.Am vergangenen Montag fand in Graz eine Arbeitssitzung der Erste Bank Eishockeyliga statt, zu welcher der ÖEHV auch eingeladen war. Wie lautet Ihr Resümee?
Dr. Dieter Kalt: Die Diskussion hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Meiner Meinung nach sind zu viele Einzelinteressen im Vordergrund der Diskussion gestanden. Es entstand nicht das Gefühl, dass man tatsächlich eine vernünftige und tragbare Lösung anstrebt. Es hat einige Ansätze gegeben, die durchaus weiter diskutiert werden sollen. Wenn aber nicht das Interesse am gesamten Eishockey in den Vordergrund gestellt wird, wird es meiner Meinung nach sehr schwer, zu einem echten Lösungsansatz zu kommen.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Dr. Dieter Kalt: Wenn es im Rahmen der Diskussion mit der Erste Bank Eishockeyliga seitens der Vereine nicht zu einem einstimmigen Votum kommt, wird der Verband die österreichische Meisterschaft für die Saison 2007/2008, wie es im Dezember 2006 seitens der Vereine mit einem überwiegenden Votum beschlossen wurde, ausschreiben. Das heißt konkret mit sieben Transferkarten und einer achten für den Letztplatzierten. Alles übrige, das momentan von einigen Leuten kolportiert wird, ist aus der jeweiligen Sicht des Vereines gesehen, nur eine Wunschvorstellung, wobei die dazugehörigen Beschlüsse der Liga als Gesamtheit fehlen.

Derzeit bin ich bei einer internationalen Tagung in Budapest und habe natürlich die Gelegenheit wahrgenommen, Gespräche bezüglich Transferkarten und weiteren Entwicklungen zu führen. Alle Nationen - von Kanada über Schweden, Finnland bis Schweiz, Slowakei und Ungarn, um nur einige zu nennen - gehen den Weg, Transferkarten zu reduzieren, interne Beschränkungen zu beschließen und dem eigenen Nachwuchs und den Spielern aus dem eigenen Land die Möglichkeit zu geben, den Eishockeysport auszuüben. Die Vertreter der verschiedenen Nationen waren überrascht, welchen Weg man in Österreich seitens der Vereine nunmehr einschlagen will, da wir International in den letzten Jahren als Vorzeigenation bezeichnet wurden, wie man bei einem gemeinsamen Willen der Vereine und des Verbandes bei den Transferkarten eine vernünftige Lösung finden kann. Ich kann also nur weiterhin an die Vernunft der Vereine, die ja letztlich das finanzielle Risiko tragen, appellieren und vor einer beabsichtigten Öffnung des Transferkartenmarktes im Interesse des österreichischen Sports warnen.

Vernünftiger wäre es, einen restriktiveren Weg bei den Transferkarten einzuschlagen, mehr Jugendliche einzusetzen und ihnen Vertrauen zu schenken. Auf Sicht gesehen, wird dies dem österreichischen Sport mehr helfen als der gegenteilige Weg, wo durch die vielen Ausländer ein höheres Niveau vorgegaukelt wird als wir es tatsächlich spielen.

Wir haben vor einigen Jahren eine harte Zeit durchstehen müssen, als Vereine ihre Budgets überzogen hatten.

Machen wir nicht wieder den gleichen Fehler. Wir erleben in Österreich derzeit eine positive Entwicklung. Diese sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Die negative Entwicklung im Fußballsport im Zusammenhang mit dem Einsatz von ausländischen oder EU-Spielern sollte uns Warnung genug sein.

Wie sieht die Situation mit den slowenischen Vereinen aus?
Dr. Dieter Kalt: Die Slowenen würden gerne der im Dezember beschlossenen Regelung folgen, sind aber flexibel, wenn es um eine weitere Reduzierung der Ausländer geht. Allerdings besteht, wie man Presseberichten bereits entnehmen kann, die Gefahr, dass österreichische Vereine slowenische Spieler von Jesenice abwerben, da in Jesenice ein niedrigeres Lohnniveau existiert als in Österreich. Durch die Abwerbung riskieren wir, dass künftig slowenische Vereine nicht mehr jene Spielstärke aufweisen wie bisher. Dies sollte uns äußerst nachdenklich stimmen, denn Jesenice erzielte in der letzten Saison bei Auswärtsspielen die höchsten Zuschauerzahlen. Noch ist Zeit, dafür gemeinsam einen vernünftigen Weg zu gehen.

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Erste Bank Eishockey Liga