Gigantischer Haikopf beim Einlauf der Spieler, Hockeyfans.at/Reinhard Eisenbauer

Kaderbewertung: Wie bissig sind die neuen Haie?



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Freitag, 16.September 2005 - 20:34 - Alles neu macht die Saison 2005/06 für den HC Innsbruck. Die Haie haben sich von ihrer bisher verfolgen Spielphilosphie gelöst und setzen voll auf die kanadische Linie. Seit Jahren zählt man im heiligen Land zu den Favoriten in der Liga, zum großen Wurf oder überhaupt einer Finalteilnahme hat es bislang aber noch nie gereicht. Und wie sieht es dieses Mal aus? Hockeyfans.at bietet eine Einschätzung.Der HC Innsbruck und die Erste Bank Eishockey Liga! Das war in den letzten Jahren keine Erfolgsstory, wie man sie im heiligen Land gerne gesehen hätte. Die Tiroler galten immer zum erweiterten Favoritenkreis in der Bundesliga, es hat aber nie dazu gereicht, sich in ein Finale vorzuarbeiten. Und das, obwohl die Innsbrucker dank eines potenten Hauptsponsors finanziell gar nicht so schlecht dastanden. Doch egal, wie qualitativ hochgerüstet sich der Kader der Haie auch präsentierte, der große Wurf blieb aus.



Setzte man zuletzt verstärkt auf die Skandinavische Eishockeykunst, war nach dem Nichterreichen der Finalserie in der letzten Saison eine Trendwende zu erkennen. Für die Spielzeit 2005/06 soll alles anders werden bei den Innsbrucker Haien. Man holte einen neuen Trainer, neue Legionäre und will auf den kanadischen Spielstil setzen. Damit soll das Publikum in die neue TIWAK Arena gelotst, ein Spektakel geboten werden, das für Schlagzeilen sorgt. In der Vorbereitung hat man bereits seine Duftmarken hinterlassen, jetzt soll auch die Erste Bank Eishockey Liga erzittern.



Hockeyfans.at Prognose
Die Haie aus Innsbruck haben auch in dieser Spielzeit eine sehr namhafte Truppe zur Verfügung, ergänzt mit Legionären, die zum Teil schon im Vorfeld für Aufregung sorgten. Zwar scheint man im Vergleich zur direkten Konkurrenz in gewissen Mannschaftsteilen nicht so stark besetzt zu sein (Torhüter), aber man hat zumindest ein Kollektiv, das an einem Strang zieht. Selten hat man die Haie in der Kabine so geschlossen erlebt, selbst Spieler wie ein Martin Hohenberger oder Andreas Pusnik fühlen sich in der neuen, alten Umgebung sichtlich wohler.



Eines darf man mit Sicherheit von den „neuen“ Haien erwarten: sie werden noch härter agieren, mehr Strafen kassieren als zuletzt (Rang 3 in der Fair Play Wertung) und für mehr Spektakel sorgen. Alleine ein Todd Elik ist immer für eine Schlagzeile gut und auch wenn man weit im Westen Österreichs „versteckt“ ist – man wird überall wahrgenommen werden! Letzten Endes wird es dann auch gar nicht mehr so wichtig sein, ob man ganz vorne mitmischen kann.



Denn das wird schwer werden. Die Haie haben eine starke Truppe, doch insgesamt scheint man gegenüber der Konkurrenz nicht ganz so tief besetzt zu sein. Im Tor hat man eine Schwachstelle, die mit schwankenden Leistungen durchaus Spiele entscheiden kann – in die eine, wie die andere Richtung. Dafür steht man in der Verteidigung ganz gut aufgestellt, scheint vor allem körperlich kaum zu überbieten zu sein. Im Sturm hat man auch in den ersten Linien einiges an Qualität zu bieten – nach hinten zu wird die Luft aber dünner.



Insgesamt bleibt abzuwarten, ob der neue Stil in Innsbruck tatsächlich zum Erfolg führen wird. In der Vorbereitung kassierte man sehr viele Strafen und die Erfahrung zeigt, dass man Spiele oder ganze Saisonen auf der Strafbank sicher nicht bestehen kann. Und gerade in der Erste Bank Eishockey Liga ist der Grad zwischen fairen Checks und Strafen ein sehr, sehr schmaler. Diese Erfahrungen werden auch die neuen Legionäre der Haie relativ schnell machen.



Insgesamt schreit die neue Saison bei den Haien förmlich nach Spektakel: entweder man mischt vorne mit und gewinnt die Partien souverän, oder es wird hart – in allen Belangen. Der Kader hat auf alle Fälle jene Qualitäten, die man benötigt, um in die Top 4 zu kommen. Das haben die Innsbrucker auch in der letzten Saison bewiesen. Ob es für den Sprung ganz nach vorne reichen wird, hängt von der Stabilität der Mannschaft und vor allem ihrer Disziplin ab. Zutrauen darf man den Tirolern auch in dieser Spielzeit einiges – Rang 1 ist aber wohl noch außer Reichweite.
Hockeyfans.at Prognose: Rang 3 – 7




Die Kaderbewertung des HC Innsbruck:




Torhüter:
Der einzige Mannschaftsteil bei den Tirolern, der ohne Veränderungen blieb. Weiterhin vertraut man bei den Haien auf die Dienste von Claus Dalpiaz und seinen Backup Fabio Gottardis. Das Torhütergespann ist mit Sicherheit bundesligatauglich, zur Spitze zählt es jedoch nicht. Die Nummer 1, Claus Dalpiaz, kann durchaus Spiele im Alleingang entscheiden, insgesamt ist er aber in seiner Leistung zu schwankend und brachte es so in der vergangenen Saison zum Beispiel nur auf eine Fangquote von 89,8 Prozent! Dafür war er mit drei Shutouts gemeinsam mit dem Linzer Nestak die Nummer 1. Man sieht: bei Dalpiaz ist alles möglich – vom Blackout zum Shutout.
Und trotzdem wird man bei den Innsbruckern insgeheim darauf hoffen, dass sich der Nummer 1 Mann nicht verletzt, denn dahinter steht ein Backup, der zwar schon Bundesligaluft schnuppern durfte, die Konstanz und Stärke für einen längeren Zeitraum in der Erste Bank Eishockey Liga hat Fabio Gottardis aber noch nicht.
Kein Wunder, dass man in Innsbruck alles daran setzt, um das Torhütergespann zu stärken. So trainierten die Schlussmänner der Tiroler mit dem ehemaligen NHL Goalie Vincent Riendeau, der auch während der Saison mehrmals zum Spezialtraining ins Haifischbecken anreisen wird. Man darf gespannt werden, ob das die Qualität des Goalkeepings heben kann. Das wird aber wichtig sein, denn die Torhüter sind eine Achillesferse bei den Tirolern.
Punkte: 3,5 von 5




Verteidigung:
In der Defensive hat sich bei den Innsbruckern einiges geändert. Mit Daniel Jacob hat man einen der größten Spieler der Bundesliga in seinen Reihen und dieser agiert ähnlich hart wie sein Kanadischer Landsmann David Cloutier. Beide wurden eher für den defensiven Part geholt, denn für die Offensivtaten hat man in der Verteidigung bei den Tirolern bereits gute Leute. So wird Gerhard Unterluggauer auch in dieser Saison seine gefürchteten Weitschüsse ablassen, die ihn schon in der letzten Spielzeit zu einem der besten Offensivverteidiger der Liga gemacht haben. Ihm zur Seite steht weiterhin Sven Klimbacher, der in der Verteidigung einen soliden Part in der Bundesliga spielen kann. Ausbaufähig sind noch Alexander Mellitzer, der von Jahr zu Jahr besser wird, sowie Florian Stern und Florian Schwitzer. Insgesamt ist man in der Verteidigung mit Sicherheit stark aufgestellt und kann vor allem physisch einiges aufbieten: vier von sieben Defendern haben mehr als 90 Kilogramm! Ob sie auch die Aufgabe erledigen können, die Abpraller vor Claus Dalpiaz wegzuwischen, wird die Saison zeigen.
Punkte: 4,5 von 5 Punkten




Angriff:
Im Sturm überstrahlt ein Mann so ziemlich alles: Todd Elik, der es bei all seinen bisherigen Eishockeystationen zu einigem negativen „Ruhm“ gebracht hat. Er gilt als Enfent Terrible, ist eine Reizfigur gegenüber dem Gegner wie den Fans. Doch trotz alledem hat er auch eines: den Torriecher. Und den soll der Goalgetter auch beim HCI unter Beweis stellen, wobei abgewartet werden muss, ob der im nächsten Jahr 40-Jährige eine ganze Saison auf hohem Niveau spielen kann. Zudem ist der Kanadier einer jener Kandidaten, der gerne Strafen auf sich zieht.
Neben Elick hat man noch zwei weitere Kanadier ins Team geholt: Tavis Hansen und James Desmarais gelten als Arbeiter, die jedoch schon in den Tests gezeigt haben, dass sie auch scoren können. Und das können auch Martin Hohenberger und Andreas Puschnik, die seit Jahren zu den besseren Österreichern in der Liga gehören, in Innsbruck ihre vollen Qualitäten aber noch nie voll und ganz ausgespielt haben. Einen Raimund Divis hätten wohl viele der anderen Bundesligisten in ihren Reihen. Ein Mann, der die Scheibe halten kann und eine feine technische Klinge führt. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich der Techniker Divis im körperlichen Spiel der Innsbrucker zurecht findet.
Mit Patrick Mössmer haben die Haie einen weiteren jungen Mann in ihren Reihen, der ein kompakter Bundesligaspieler ist. Er kann mit Sicherheit noch mehr leisten, als er in den letzten Jahren gezeigt hat und vielleicht ist es der Schwenk zum körperlichen Spiel, der dem Angreifer den nötigen Push gibt. Lukas Schwitzer und Marc Schönberger haben ebenfalls Ahnung davon, wie es in der Erste Bank Eishockey Liga zugeht, sie sind aber bestenfalls Ergänzungsspieler für die hinteren Reihen. Viel erhofft man sich in Innsbruck von den Jungen wie Thomas Müller, Alexander Höller und Martin Sturm. Die große Frage wird hier sein, wie oft sie tatsächlich eingesetzt werden. In den Tests konnten sie jedenfalls gute Leistungen zeigen.
Insgesamt ist der Angriff der Haie für zwei Linien ausgezeichnet besetzt, dahinter klafft jedoch wie bei vielen Konkurrenten eine qualitative Lücke. Sehr viel wird von den Scorerqualitäten der ersten beiden Reihen abhängen. Wenn man sich disziplinär im Griff hat.



Punkte: 4 von 5




Trainer:
Gemeinsam mit dem Team wurde auch der Trainerposten in Innsbruck neu vergeben. Mit Alan Haworth holten die Tiroler einen Mann, von dem man sich erhofft, dass er die gewünschte Richtung auch einschlagen kann. Der Kanadier war schon als Spieler einer jener Typen, die sehr viel Zeit auf der Strafbank verbrachten, der aber auch eine Hand fürs Scoren besaß. Die letzte Saison verbrachte der Kanadier in der Schweiz, wo er aber beim SC Bern rausgeflogen ist. Der Grund soll gewesen sein, dass er die jungen Spieler bei guter Leistung auch vor die Stars gestellt hat. Das könnte gerade für die durchaus aufstrebenden Youngsters hinter Elick und Co. ein zusätzlicher Motivationsschub sein. Haworth ist mit Sicherheit genau der richtig Trainer für den kanadischen Stil in Innsbruck. Die Frage wird sein, wie lange man sich beim HCI gedulden wird, sollte der erhoffte Erfolg doch wieder ausbleiben. Und meist ist dann der Trainer der erste, der seinen Job verliert.
Punkte: 4 von 5 Punkten












Bisherige Wertungen:
1. Red Bulls Salzburg 18 Punkte
2. VSV 17,5 Punkte
3. HC Innsbruck 16 Punkte
4. KAC 15,5 Punkte
5. Black Wings Linz 15 Punkte
6. Graz 99ers 14,5 Punkte






(Die Kaderbewertung wird von Fans erstellt und spiegelt nicht die Meinung von Hockeyfans.at wieder. Wer ebenfalls eine Bewertung über einen Verein schreiben will, schickt diese bitte an kontakt@hockeyfans.at!

passende Links:

Erste Bank Eishockey Liga
nhl.com


Quelle: