04.03.2018, Keine Sorgen Eisarena, Linz, AUT, EBEL, EHC Liwest Black Wings Linz vs KHL Medvescak Zagreb, Platzierungsrunde, im Bild Tormann Kevin Carr (KHL Medvescak Zagreb) geschlagen 2 zu 3 // during the Erste Bank Icehockey League placement round between EHC Liwest Black Wings Linz and KHL Medvescak Zagreb at the Keine Sorgen Icearena, Linz, Austria on 2018/03/04. ? 2018, PhotoCredit: EXPA/ Reinhard Eisenbauer EXPA/ Reinhard Eisenbauer

Die HF.at Play Off Vorschau: Black Wings Linz – Medvescak Zagreb



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Montag, 05.März 2018 - 15:16 - Bis zum vergangenen Wochenende hatten die Black Wings sogar noch die reelle Chance auf Platz 1, zeigten aber Nerven und wurden schließlich Dritter. Anders als in den Jahren zuvor gingen die Oberösterreicher dieses Mal dem HC Bozen aus dem Weg und entschieden sich für Zagreb. Überstehen die Linzer nach dem enttäuschenden Erstrundenaus im letzten Jahr das Viertelfinale?

Black Wings Linz (3) – Medvescak Zagreb (5)
Saisonbilanz: 4:2 Siege, 10:8 Punkte, 25:17 Tore

Drei Jahre in Folge Bozen war genug. Das dachte man sich im Lager der Black Wings schon im Vorfeld, denn die Linzer gingen mit einer Gewissheit in den Viertelfinal Pick: auf keinen Fall würde man Bozen wählen. Dass man gegen die Südtiroler in der letzten Saison überraschend in Runde 1 der Play Offs gescheitert war spielte bei den Überlegungen der Oberösterreicher mit, war aber nur einer von vielen Aspekten. Die Fans der Linzer zeigten sich auf jeden Fall erleichtert, bei der Verkündung des Viertelfinalgegners durch Manager Christian Perthaler brach Jubel in der Keine Sorgen EisArena aus.

Bemerkenswert ist, dass man auf beiden Seiten sehr zufrieden mit dem Gegner in der ersten Runde ist. Zagreb wollte unbedingt den Top 2 aus dem Weg gehen, sieht gegen die Black Wings durchaus Chancen. Dass die vorhanden sind, zeigt ein Blick auf die direkten Duelle – die Werte sind sehr vergleichbar mit jenen, die Linz im Vorjahr gegen den HCB Südtirol aufzuweisen hatte… das Ergebnis ist bekannt.

Das Halbfinale ist das, was man sich im Lager der Stahlstädter vorgenommen hat und entsprechend groß wäre die Enttäuschung, würde man erneut in Runde 1 scheitern. Der Druck ist sicherlich auf Seiten der Linzer größer, die Favoritenrolle liegt ohne Zweifel bei den Black Wings. Die haben auch im ersten Jahr nach Rob Daum ihre Stärken voll ausgespielt und eine frappant ähnliche Saison gespielt wie die letzte – zumindest statistisch gesehen. 33 Siege, 16 Niederlagen nach 60 Minuten, 5 nach Overtime bzw. Penaltyschießen – das ist die exakt idente Ausbeute der letzten beiden Jahre bei den Oberösterreichern. Selbst das Torverhältnis ist beinahe dasselbe wie vor einem Jahr. Allerdings sind die Black Wings heuer die gesamte Saison über näher an der Spitze dran gewesen und auch in der Pick Round war man deutlich besser unterwegs, als noch unter Rob Daum.

Die Probleme haben sich trotzdem nicht wirklich verändert. Die Linzer kassierten in dieser Saison 158 Gegentore und haderten seit September mit ihren Abwehrleistungen. Die Defensive wurde nicht richtig stabil, was auch an den vielen Strafen lag. Troy Ward lässt ein deutlich aggressiveres Spiel zu, als sein Vorgänger. Seine Spieler haben es aber bislang noch immer nicht geschafft, die Vorgaben des Trainers in Sachen Disziplin umzusetzen. Man macht zu viele Fehler im Spielaufbau, der erste Pass aus der Verteidigung heraus ist oftmals ein Problem, was auch an den Formschwächen von ehemaligen Leistungsträgern wie Sebastien Piche oder Marc-Andre Dorion liegt. Diese agieren ungewöhnlich fehleranfällig, was für unerwartete Sorgenfalten sorgt. Durch diese Fehler im Aufbau kann das Team aus der Stahlstadt nicht das gewünschte schnelle und dynamische Aufbauspiel aufs Eis bringen, das Ward gerne spielen lassen würde.

Dass es trotzdem so gut geklappt hat in dieser Saison lag auch an den Offensivwaffen der Oberösterreicher. Die ersten beiden Linien scoren beständig, nicht weniger als sechs Spieler haben 20 oder mehr Tore erzielt. Die erste Formation ist eine gefährliche Waffe, die es für Zagreb zu entschärfen gibt, die zweite Linie fällt in ihrem Output immer wieder etwas ab und ist nicht ganz so konstant. Dahinter klafft eine große Lücke, denn die Linien 3 und 4 sind weiterhin zu wenig produktiv, was schon in den Vorjahren im Vergleich zu den Top Teams ein Problem war. Nicht zuletzt deswegen hat man mit Zintis Nauris Zusevics noch einen Mann geholt, der auch in Linie 3 für Punkte sorgen kann.

Auffällig war in dieser Saison die andere Verteilung der Eiszeit. Die Top Spieler bekamen zwar ähnliche Eiszeiten als noch unter Rob Daum, allerdings waren die Shifts deutlich kürzer und dafür häufiger. Auch wurde das Vierlinienprinzip durch die gesamte Saison hinweg beibehalten, es wird sich zeigen, ob man nun auch körperlich einen Schritt weiter nach vorne machen kann. Vor allem in Sachen Defensivarbeit muss diese Linzer Mannschaft einen Zahn zulegen, 36 Gegentore in der Pick Round sind ein Warnschuss. In den Play Offs wird es schwieriger werden, vorne Tore zu schießen, also wird man hinten auch weniger zulassen dürfen.

Das Duell mit Zagreb wird deswegen interessant, weil beide Teams als ausgesprochen heimstark gelten. Die Black Wings sind das beste Heimteam der EBEL, Zagreb konnte auch einen Großteil seiner Saisonsiege vor eigenem Publikum einfahren. Es treffen die beiden meistbesuchten Teams der Liga aufeinander, ein entsprechend feuriges Duell ist also zu erwarten. Mit leichten Vorteilen für die Oberösterreicher, denn Zagreb muss wegen Nichtverfügbarkeit der Halle einen Rhythmuswechsel durchführen. Drei der ersten vier Spiele finden in Linz statt, danach folgen zwei Auftritte binnen 48 Stunden im Dom Sportova.

Zagreb muss ein Auswärtsspiel in dieser Serie gewinnen und wird das entsprechend intensiv versuchen. Dass man an der Unteren Donaulände siegen kann bewies der kroatische Rekordmeister am Sonntag. Das gibt den Bären Selbstvertrauen, das man über weite Strecken dieser Saison nicht hatte. Die Kroaten hatten bis zur Weihnachtszeit einen gewaltigen Hänger, erst nach einem Trainerwechsel ging es bergauf und dann sogar gerade noch unter die Top 6. Medvescak ist ähnlich aufgestellt wie die Black Wings: die ersten beiden Linien sind brandgefährlich, dahinter tut man sich mit dem Output sehr schwer. Anders als in Linz wurde bei den Kroaten die Eiszeit aber nicht so ausgeglichen aufgeteilt, phasenweise wirkten Tyler Morley und Co. schon arg überspielt. Das kann in einer Best of Seven Serie mit zumindest einmal vier Spielen innerhalb einer Woche ein echtes Problem werden. Und dann kämen noch Spiel 5 und 6, die innerhalb von 48 Stunden in Zagreb stattfinden würden…

Je länger die Serie geht, umso größer sind also auch die körperlichen Vorteile der Black Wings zu erwarten. Zagreb wird daher versuchen, möglichst früh ein Break zu schaffen und mit diesem im Rücken dann vor dem eigenen Tor dichtzumachen. Gerade bei den Goalies steht auf beiden Seiten ein Fragezeichen: Kevin Carr (Zagreb) gilt als wenig konstant, Mike Ouzas ließ in der Vergangenheit auch in den Play Offs stets nach. Auf der Backup Position ist Medvescak deutlich besser besetzt und hat Vorteile. Carr kann schon einmal eine Pause bekommen, die Linzer werden sich das mit Ouzas eher nicht leisten.

Die Formkurve der beiden Teams hat sich in den letzten Wochen etwas konträr entwickelt. Während die Linzer vor allem zu Beginn der Pick Round gute Leistungen zeigten, wurden die Kroaten in den letzten Runden immer stärker und haben drei der letzten vier Spiele gewonnen. Die Black Wings gehen mit zwei Niederlagen in die Play Offs. Das mag zwar ab sofort keine Rolle mehr spielen, denn es wird immer betont, dass nun „alles von vorne“ beginne, doch die Leistungen der Stahlstädter wirkten gerade an diesem Wochenende schon fast erschreckend uninspiriert. Wenn sich das nicht schnell ändert, werden sich die Stahlstädter sehr schnell in einem Alptraum wiederfinden, der an die letzte Saison erinnert.

Insgesamt hat Linz den etwas runderen und gleichmäßiger besetzten Kader, ist in der Offensive ein wenig besser besetzt und hat heuer schon bewiesen, dass man sich mit der Herausforderung auch steigern kann. Das wird notwendig sein, denn Zagreb gilt als eines der ganz gefährlichen Außenseiterteams der Liga, das für jede Mannschaft zum Stolperstein werden kann. Im Saisonduell setzten sich die Oberösterreicher mit 4:2 Siegen durch, man sollte aber auch in Oberösterreich wissen, dass in den Play Offs nicht immer das personell besser besetzte Team, sondern das leidenschaftlichere gewinnt.
Hockeyfans.at Prognose: Linz in 6 Spielen

Die Termine des Duells:
Fr, 09.03.2018: Black Wings Linz (3) – Medvescak Zagreb (5)
So, 11.03.2018: Medvescak Zagreb – Black Wings Linz
Di, 13.03.2018: Black Wings Linz – Medvescak Zagreb
Fr, 16.03.2018: Black Wings Linz – Medvescak Zagreb
*Mo, 19.03.2018: Medvescak Zagreb – Black Wings Linz
*Di, 20.03.2018: Medvescak Zagreb – Black Wings Linz
*Fr, 23.03.2018: Black Wings Linz – Medvescak Zagreb




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Quelle:red/kf