Reinhard Eisenbauer/eisenbauer.com

Time Out: Über Schummler und Studenten



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Sonntag, 23.Januar 2005 - 5:45 - Die Verantwortlichen des Österreichischen Eishockeyverbandes zeigten sich nach dem vierten Platz bei der WinterUniversiade in Innsbruck zufrieden. Ganz anders die Resonanz der Fans und auch aus dem Ausland. „Wir haben die Krot geschluckt“, wurde in den vergangenen Tagen die Teilnahme des Team Austria mit Bundesligaspielern von einem Club der Erste Bank Eishockey Liga kommentiert. Scheinbar hat man sich dabei aber verschluckt.Werbung für die WM in Wien und Innsbruck, ein gutes Turnier mit dem man zufrieden sein kann.



Peinlich, lächerlich, Schummler…



Eigentlich könnte man meinen, dass diese Statements über zwei völlig verschiedene Turnier gefällt wurden, doch weit gefehlt: es geht dabei um die WinterUniversiade 2005 und das Eishockeyturnier und die Teilnahme des Team Austria. Viel wurde darüber in den letzten Tagen im Forum von Hockeyfans.at diskutiert, am Ende bleibt zumindest ein schaler Nachgeschmack: war es das wirklich wert?



Ja, wird der ÖEHV sagen, denn es war immerhin auch seine Idee, mit einer möglichst starken Mannschaft in Innsbruck anzutreten. Man wollte Werbung im „heiligen Land“ fürs Eishockey machen. Nicht, dass man plötzlich eine große Liebe für die regionalen Vereine gefunden hätte, nein es geht vielmehr um die bevorstehende Eishockey WM in Österreich. Bei diesem Event wird auch Innsbruck einer der Austragungsorte sein und wie man immer wieder hört sollen die Kartenverkäufe im Vergleich zu Wien schleppend angelaufen sein. Was läge da näher, als drei Monate vor dem Turnier eine Art „Werbeveranstaltung“ durchzuführen und dafür die Universiade zu nutzen?



Wie das Eröffnungsspiel vor mehr als 8.000 Fans gezeigt hat, scheint zumindest diese Rechnung aufgegangen zu sein. Auch die 5.000 Zuschauer beim Finale, obwohl dieses ohne Österreich über die Bühne ging, sind ein Indiz, dass man zumindest Interesse geweckt hat. Und trotzdem bleibt nach dem Turnier nicht nur bei den österreichischen Eishockeyfans ein wenig positiver Nachklang.



Die Schummler aus Österreich
Österreich ist bei diesem Turnier mit einer Profi Truppe angetreten! Die Erste Bank Eishockey Liga legte extra eine zweiwöchige Pause ein, damit man sich in Innsbruck von der besten Seite präsentieren konnte. Am Ende hat das österreichische Eishockey durch diese Aktion International aber Schaden genommen!



In den letzten Tagen erreichten Hockeyfans.at einige Zuschriften vor allem aus Nordamerika, die sich über die Mannschaft der Österreicher wenig begeistert zeigten. In den kanadischen Medien bekam das Team Austria sogar einen eigenen Namen: „Cheaters at the Universiade“ (Betrüger bei der Universiade)! Ob das im Sinne des ÖEHV gewesen sein kann?



Ist es nicht so, dass man mit einem Team Austria, das zu 100% aus Profis besteht den Grundgedanken einer Universiade untergräbt? Betrügt man dabei nicht nur die Fans, Medien und eigenen Spieler, sondern vor allem die Gegner? Wäre es nicht fairer gewesen, mit einer reinen Studentenmannschaft anzutreten, auch wenn man wohl nicht ins Halbfinale gekommen wäre?



Ja, das Team Austria hat geschummelt. Es mag sein, dass einige der Spieler im Kader tatsächlich ein Studium absolvieren – das soll hier auch gar nicht abgestritten werden – aber der Großteil hat wohl genauso wenig mit der Uni zu tun, wie Hockeyfans.at mit Fußball. Es reicht aber bei diesem Turnier schon, dass man als Student in einer Universität eingeschrieben ist und es besteht kein Zweifel, dass die Österreicher dieses formelle Kriterium erfüllt haben. Über moralische Kriterien wollen wir lieber nicht sprechen.



Schönreden hilft nichts
Schon vor dem Turnier wurde von den Verantwortlichen beim ÖEHV tiefgestapelt. Man wolle ins Halbfinale, vom Favoriten wollte man gar nichts hören. Realistisch gesehen hatte das Team Austria den stärksten Kader, da man mit Profis angetreten ist. Am Ende wurde man trotzdem nur Vierter – kann man damit zufrieden sein?



Darauf kann die Antwort nur Nein lauten! Auch wenn nach den beiden Niederlagen im Halbfinale und im kleinen Finale die Welt schöngeredet wurde, eine Mannschaft, die zu einem Studententurnier mit Profis antritt, sollte etwas höhere Anforderungen an sich stellen, als nach Niederlagen in entscheidenden Spielen von „Erfahrungen sammeln“ zu sprechen. Man würde sich einmal von einem Verantwortlichen wünschen, dass er wirklich Druck auf seine Spieler legt. Nur so können junge Sportler wachsen, denn was haben die Spieler denn gelernt aus dieser Universiade? „Wir haben gegen Finnland und Russland verloren, aber das ist o.k., weil wir haben ja so brav gekämpft.“



Was dieses Turnier eindrucksvoll gezeigt hat ist, dass in Österreich etwas entsteht, was auch bald auf das Nationalteam Auswirkungen haben wird. Die Schlüsselspieler in den Vereinen sind immer mehr die Legionäre und die Österreicher sind nur noch selten Leistungsträger. Das hatte man schon bei den Zusammensetzungen der letzten WM Kader gesehen: die Leistungsträger und Führungsspieler waren jene Cracks, die ihr Geld im Ausland verdienten. Verantwortung übernehmen meist nur diese. Nur, dass der Trend derzeit dahin geht, dass die erfahrenen Spieler aus dem Ausland wieder nach Österreich kommen. Die Youngsters in den diversen Ligen sind noch zu jung und erst am Beginn ihrer Karrieren, um große Verantwortung auf ihre Schultern zu laden.



An der Verantwortung scheiterten auch die Spieler bei der Universiade. In den entscheidenden Szenen gab es einfach keine Leitwölfe, die das Team mitgerissen hätten. Das müssen die Jungen noch lernen, doch ob sie das in der Bundesliga können, muss man erst sehen.



Ja, für die Jungen war dieses Turnier mit Sicherheit lehrreich, denn sie haben erstmals an einem internationalen Wettkampf für das Team Austria gespielt. Warum man dafür aber diese Universiade genommen hat und sogar noch die laufende Meisterschaft unterbrechen musste bleibt wohl für immer eine offene Frage. Als Vorbereitung für die WM? Eher nicht, denn nur ganz wenige dieses Universiade Kaders werden auch nur in die Auswahl für den WM Kader kommen. Als erste Auslese für den Kader zur Olympia Qualifikation? Auch hier gilt wohl die selbe Antwort wie auf die Frage zuvor.



Der sportliche Wert dieses Turniers ist auf alle Fälle fraglich, wenn man mit einer Profimannschaft gegen Studenten antritt. Das Endergebnis ist alles andere als zufrieden stellend und das sollte man so auch aussprechen. In manchen Spielen hat man dem Team angesehen, dass es sich seiner Sache zu sicher waren (um nicht von Überheblichkeit zu sprechen), der Boden der Realität kam dann aber mit voller Härte!



Am Ende hat die Gerechtigkeit aber doch gesiegt, was zumindest dem Turnier bei der WinterUniversiade aus sportlicher Sicht einen versöhnlichen Abschluss gab. Österreich trat zwar mit einer Mannschaft an, die nicht dem Grundgedanken entsprach, aber trotzdem holten die Medaillen andere Mannschaften. Es war das Herz, der Einsatz und der Wille der anderen Teams, die den Österreichern nur Rang 4 brachten.



„Zu einem Mannschaftsport gehört eben mehr als nur Profi zu sein“, meint ein User im Forum von Hockeyfans.at. Zumindest die Fans scheinen das erkannt zu haben. Ob sich das auch dorthin durchspricht, wo man es hören sollte?








Die Meinungen in den Kolumnen "Time Out" sind persönliche Ansichten und müssen nicht der Meinung von Hockeyfans.at entsprechen.

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